Schnabel sucht Paten

Habicht wird in NABU-Wildvogelstation versorgt.

Das Tier wog nur noch 500 Gramm, war flugunfähig und geschwächt – Ende August fand eine Spandauerin in der Wilhelmstraße einen jungen Habicht und brachte ihn in die Kleintierklinik Düppel. Kurz danach wurde die NABU-Wildvogelstation in Marzahn eingeschaltet und die Vorbereitungen für seinen Pflegeaufenthalt liefen auf Hochtouren. Jetzt wird jemand gesucht, der seine Versorgung durch eine Pflegepatenschaft sichert.

In Spandau zuhause

Habichte gehören wie alle heimischen Greifvögel zu den streng geschützten Arten und genießen eine ganzjährige Schonzeit. Sie sind nicht selten in Berlin und Begegnungen sind auch in größeren Hinterhöfen, vielen kleinen Park- und Grünanlagen, sogar auf dem eigenen Balkon möglich. Ungefähr 100 Paare brüten in der Hauptstadt. Der mit reichlich Wasserflächen und Wald ausgestattete Bezirk Spandau, in dem das Tier gefunden wurde, ist für Habichte besonders attraktiv. Denn Habichte mögen abwechslungsreiche Landschaften. Für den Bau ihrer Nester bevorzugen sie hohe, alte Bäume in größeren Nadel- und Mischwäldern. Der geschickte Flieger jagt im Wald, auf Feldern sowie in offenen Landstrichen – Hauptsache, Hecken oder Gebüsche bieten genügend Deckung.

Zu schwach zum Jagen

„Der junge Flugkünstler hat keine Frakturen oder ernsthafte Verletzungen, doch das extreme Untergewicht belegt, dass seine Jagdversuche schon längere Zeit erfolglos geblieben waren. Aus irgendeinem Grund war es dem Jungen in der Bettelphase, in der er noch von den Elterntieren gefüttert wurde, nicht gelungen, ausreichend fit für die Selbstversorgung zu werden“, vermutet André Hallau, Leiter der NABU-Wildvogelstation. Sowohl Schwäche als auch Hunger hätten dann häufig Unfälle zur Folge – zum einen, weil die Tiere nicht über ausreichend Kraft für geschickte Flugmanöver verfügen, zum anderen, weil sie waghalsige Manöver eingehen.

Zwar gibt es keine Zeugen, der Fundort am Straßenrand deutet aber darauf hin, dass es eine leichte Kollision mit einem Fahrzeug gegeben hat, die den Vogel zwar nicht stark verletzt, aber zunächst außer Gefecht gesetzt hat. Für den jungen Habicht in diesem Fall Glück im Unglück, denn nur in dieser Lage konnte er gefunden werden.

Kraft tanken

Seit dem 1. September wird das Habichtmännchen nun in der NABU-Wildvogelstation versorgt und muss kräftig zunehmen und an Kraft gewinnen. Den besten Ort für diese Ruhe findet er in einer perfekt abgeschirmten und störungsarmen Voliere der Station. Um in die Freiheit entlassen werden zu können, streben die Pfleger ein Gewicht von etwa 800 Gramm inklusive Muskelaufbau an. Ein Wert, den der Vogel vermutlich in zehn bis zwölf Pflegetagen erreichen kann, um wieder gestärkt, satt und voller Tatendrang über Berlin seine Kreise zu ziehen.

Pate gesucht

Deshalb sucht die Wildvogelstation einen Paten, der die Kosten von rund 300 Euro übernimmt. Wer Interesse hat, kann sich telefonisch melden: (030) 986083718

Anke Walter, Bild: NABU-Berlin/André Hallau