Kunst hinter Gittern

Denkmaltag: Ehemaliger Knast ist offen für Besucher.

Seit der Wende stand die frühere Untersuchungshaftanstalt in der Seelenbinderstraße lange Zeit in weiten Teilen leer. Zum Tag des Offenen Denkmals am 11. September, zwischen 13 und 21 Uhr, werden der Männertrakt und der Jugendtrakt erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Besucher bekommen Einblicke in die Geschichte des Gebäudes, das sich in der Dammvorstadt gegenüber dem Köpenicker Amtsgericht befindet. Zeitzeugen berichten in Führungen über ihre Haft- und Lebenserfahrungen. Um 20 Uhr findet ein Gitarrenkonzert der Liedermacher Friedrich&Wiesenhütter statt.

Das markante Gebäudeensemble des Amtsgerichts Köpenick am Mandrellaplatz mit dem dazu gehörigen Gefängnis wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. In 115 Jahren ist es Zeuge der wechselvollen deutschen Geschichte geworden. So war der viergeschossige Gefängnistrakt 1933 Schauplatz der „Köpenicker Blutwoche“. Im ehemaligen Frauentrakt erinnert eine Gedenkstätte an die Ereignisse dieser Zeit. Sie ist an diesem Sonntag zwischen 13 und 18 Uhr geöffnet. Zu DDR-Zeiten wurde der Gebäudekomplex unter anderem als Arrestanstalt der NVA genutzt. Hier wurden beispielsweise Rainer Dellmuth, Peter Rüegg (Zeitzeugen-Führungen) und Dirk Friedrich (Musiker) festgehalten, bevor ihnen wegen „versuchter Republikflucht“ beziehunsgsweise „Schädlingstätigkeit“ im Gerichtsgebäude gegenüber der Prozess gemacht wurde. Der gemeinnützige Verein KuKuK e.V. – Kunst, Kultur und Kreativität Berlin e.V. hat die seit langem leerstehenden Gebäudeteile gemietet, um sie als öffentliches Kulturzentrum nutzbar zu machen. Matthias Schlesinger, Vorsitzender des Vereins und Initiator des Projektes „Kunstanstalt Köpenick“, freut sich, dass nach Jahren intensiver Vorbereitungen nun endlich der für die Umnutzung nötige Ausbau begonnen hat.

Weitere Informationen zu den Denkmaltag-Highlights im Bezirk gibt es unter:
www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/denkmaltag2016

nm, Bild: Kukuk e.V./Schoelzel