Graeffs Plan für das Sojus

Ruine: Platz für Kulturprojekte soll ins Marzahner Rathaus kommen.

Seit 2007 tut sich nichts mehr im großen Betonblock mit der Adresse Helene-Weigel Platz 12. 26 Jahre lang war das Kino Sojus zuvor so etwas wie eine Institution im Bezirk. Hier gab es nicht nur Filmvorführungen – so mancher Marzahner Nachbar feierte im markanten Betonquader seine Jugendweihe und viele andere Familienfeste. Aber auch politische Veranstaltungen hatten hier ihren festen Ort – das Gebäude entstand schließlich auf Initiative von Erich Honecker, der den großen Saal für seine Veranstaltungen im Bezirk nutzte.

Die Pleite

Vor rund neun Jahren wurde das Haus an einen Privatinvestor verkauft, der umgehend den Kino- und Veranstaltungsbetrieb einstellte. Taubendreck, Graffiti und Müll zeugen inzwischen vom Verfall des seitdem ungenutzten Hauses. Zuletzt musste das Ordnungsamt das Gebäude mit Zäunen und Absperrungen sichern, um Unfallgefahr zu vermeiden. „Der Investor hat aber die Kaufsumme nie bezahlt. Deswegen ist die Rückübertragung in öffentliches Eigentum jetzt möglich“, erläuterte Baustadtrat Christian Gräff (CDU) nun bei einem Pressetermin die Ausgangslage für ein Neubauprojekt an der Stelle des Sojus-Kinos. Im Frühjahr 2017 sollen die Abbruch-Bagger rollen. Dort soll danach ein neues dreigeschossiges Gebäude mit einem Rewe-Verbrauchermarkt im Erdgeschoss und seniorengerechten Wohnungen für 100 Personen auf zwei darüber liegenden Etagen entstehen. Zusätzlich soll ein Parkdeck mit 215 PKW-Stellplätzen auf vier Ebenen in einem zweiten Haus gebaut werden, das öffentlich und für Anwohner sogar kostenfrei nutzbar sein wird.

Der Architekt

Verantwortlich für die Gestaltungen der Flächen und Gebäude ist das Architektenbüro „Fabrik No°40 Architekten Weiß & Faust“. Die Investitionssumme liege zwischen zehn und 15 Millionen Euro, erläuterte Architekt Matthias Faust beim Pressetermin.Für den abgeordneten Björn Tielebein von der BVV Fraktion der Linken in Marzahn sind die Pläne nicht ganz neu. „Dass die Regie Bauträgergesellschaft das Projekt übernehmen will, ist bereits seit 2012 bekannt“, so Tielebein, der in einer Pressemitteilung darauf verweist, dass die Marzahner BVV im Mai 2015 gefordert hatte, eine kulturelle Nutzung im Kino „Sojus“ zu prüfen. Ein Auftrag, dessen Ergebnis nie der BVV mitgeteilt wurde. Stadtrat Gräff habe die kulturelle Variante für das Sojus offensichtlich nie ernsthaft in Erwägung gezogen, heißt es in der Mitteilung der Linken. Gräff selbst bringt dazu das benachbarte und zur Zeit größtenteils ungenutzte Marzahner Rathaus ins Spiel. Dies könne sehr wohl als Kulturort für Ausstellungen und Konzerte genutzt werden.

Dazu müsse es nur saniert werden. „20 Millionen Euro würde eine entsprechende Sanierung kosten. Das kann der Bezirk zwar nicht stemmen, aber mit einer Übertragung der Immobilie in das Sondervermögen des Berliner Senats, wäre die Finanzierung möglich. Danach könnte der Bezirk das Haus mieten und für kulturelle Veranstaltungen nutzen“, so Gräffs Plan.

Text/ Bild: Stefan Bartylla