Brache wirbelt viel Staub auf

Streit nach Projektstart in der Bautzener Straße geht weiter.

Vor wenigen Tagen begannen die Bauarbeiten zu dem umstrittenen Wohnprojekt auf der Bautzener Brache am Gleisdreieckpark. In zwei Jahren sollen hier 300 Mietwohnungen stehen, samt öffentlicher Grünflächen, einem Lebensmittelgeschäft und einer Kita. Von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen wurde das Projekt vorab sogar schon mit einem Zertifikat als besonders ökologisch und sozial ausgezeichnet. Trotzdem wirbelt die Brache seit Jahren viel Staub auf. Die Anwohnerinitiative Bautzener Straße will trotz Baustarts noch rechtliche Schritte einleiten.

Viele Gegner

Es hagelt Kritik von vielen Seiten. Die historische Stadtkante werde aufgebrochen, gleichzeitig werde die letzte Lücke, an der man die Grünanlage Gleisdreieckpark wahrnimmt, zugebaut. Dazu wäre laut früheren Gutachten der Gebäudekomplex schädlich für die Klimaschneise. „Das hochgelobte Mietkonzept ist keineswegs sozial, sondern extrem wirtschaftlich“, sagt Marlies Funk von der Anwohnerinitiative Bautzener Straße. Lukrativ sei es vor allem für Investor Reinhold Semer, der sich als Mehrheitseigentümer der Baumarktkette Hellweg ein neues Geschäftsfeld erschließt. Laut Funk werden Mieter wegen der hohen Lärmbelastung etwa durch die vielbefahrene Yorkstraße oder die geplante S-Bahn-Linie S 21 schnell wechseln. Für den Vermieter immer die Möglichkeit, die Miete um zehn Prozent zu erhöhen.

Bezirksparlament will das Projekt

Die Befürworter des Projektes, zu denen neben der zuständigen Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne) auch die überwiegende Mehrheit im Bezirksparlament zählt, sehen keine Probleme. In Punkto Lärm sei zum Beispiel die geplante S 21 bis zum Jahr 2025 berücksichtigt. Dagmar Szalucki, die das Projekt federführend im Stadtentwicklungsamt begleitet hat, sieht nur geringe Beeinträchtigung der Klimaschneise durch die Bebauung. Für sie ist es auch legitim, dass der Investor natürlich Gewinn machen will. Schließlich habe er neben den hohen Planungskosten sich auch verpflichtet, eine 2.400 Quadratmeter große öffentliche Grünfläche zu errichten, Wege für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen sowie eine Kita zu bauen.

Kritik bleibt

Die Kritiker überzeugt das nicht. Hier wird viel Klüngel zwischen Politik und Investor vermutet. So habe auch das Vorabzertifikat vom Dezember 2015 durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zumindest einen Beigeschmack: Bis Juli 2015 saß Engelbert Lütke Daldrup im Präsidium der Gesellschaft, ließ das Amt allerdings nach Amtsantritt als Staatssekretär für Bauen und Wohnen ruhen.

Daniel Seeger, Bild: Architekturvisualisierung Nadine Kuhn