Begehrte grüne Oasen

Stadtentwicklung: Kleingärten liegen im Trend – doch ein begrenztes Angebot macht einige Investitionen nötig.

Seit mehr als hundert Jahren gibt es Kleingärten als grüne Oase vom grauen Alltag der Großstadt. Ihr spießiges Image haben die Schrebergärten längst verloren – in Zeiten einer wachsenden Stadt erfreuen sie sich in allen Altersklassen großer Beliebtheit.

Mit Wartezeiten

Dass sich selbst die Politik verstärkt für das Thema interessiert, konnte man kürzlich in Hellersdorf beobachten. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) besuchte hier die Kleingartenanlage „Teterower Ring“. Auch wenn Müller sich bei der Frage nach einem eigenen Schrebergarten zurückhaltend gab, sicherte er dem Kleingartenwesen seine Unterstützung zu – und durfte kurz darauf weitere Kleingartenparzellen bewundern, die im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung (IGA) entstehen.

Schon jetzt gibt es in ganz Berlin mehr als 73.000 Parzellen, die mit ihren knapp 3.000 Hektar etwa drei Prozent der städtischen Fläche abdecken. Die Plätze sind allerdings begehrt. „Der Trend zur Kleingartenanlage ist schon dadurch dokumentiert, dass es gegenwärtig 11.000 Bewerbungen für einen Kleingarten in dieser Stadt gibt, 800 davon im Ortsteil Hellersdorf“, sagt Franke und schätzt Wartezeiten von etwa einem Jahr als realistisch ein.

Antrag notwendig

Auch der Bezirksverband in Lichtenberg verweist auf ein begrenztes Angebot – macht aber zugleich Hoffnung, dass „Ihre Traum-Parzelle dabei ist und wir Sie demnächst in einem unserer Kleingartenvereine als neues Vereinsmitglied begrüßen können“. Um Gartenangebote zu erhalten, muss man einen – gebührenpflichtigen – Antrag beim jeweiligen Bezirksverband stellen und sich der eigenen Wünsche und Vorstellungen bewußt werden.

Denn mit einem Kleingarten gehen einige Pflichten einher. Frühjahrsputz und Weiterbildungen gehören ebenso dazu wie die Einhaltung klarer Regeln: So müssen laut dem Lichtenberger Bezirksverband ein Drittel der Fläche für den Anbau von Obst und Gemüse genutzt werden; ein weiteres Drittel ist als Ziergarten gedacht.

Mit Kapital

Zudem muss ein gewisses Grundkapital mitgebracht werden. Fixkosten zwischen 300 und 500 Euro fallen im Jahr etwa an – der genaue Betrag richtet sich nach der Größe des Objektes und dem Verbrauch etwa von Wasser und Strom. Außerdem gibt es, je nach Gegend, bereits im Vorfeld einige Posten zu stemmen: In Hellersdorf müssen bei der Vertragsunterzeichnung beispielsweise einmalig 140 Euro berappt werden; in Marzahn schreibt der Bezirksverband je nach Parzellengröße Kautionen zwischen 250 und 500 Euro vor. Dazu kommen in manchen Fällen noch Kaufpreise, wenn das Eigentum des Vorgängers mit übernommen wird. Wer einmal investiert hat, bekommt aber einen kräftigen Ertrag zurück. „Kleingarten heißt Erholung, Freizeitbeschäftigung, gärtnerische Tätigkeit, also genau genommen das, was man unter Lebensqualität zusammenfasst. Deshalb sind sie in dieser Stadt so gefragt“, meint Norbert Franke, der einen steigenden Bedarf in den nächsten Jahren prognostiziert. Die oft auf einstigem Schuttgelände errichteten „grünen Oasen“ seien dabei eine Ergänzung zum städtischen Wohnen – und keine Konkurrenz. „Die Politik muss nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch das notwendige Grün für eine lebendige Stadt“, meint Franke, in dessen Bezirk schon jetzt 47 Prozent der Parzellen durch einen Bebauungsplan gesichert sind.

Philip Aubreville, Bild: Matthias Heinekamnp