Konfliktfreies Miteinander?

Verkehr: Verschiedene Konzepte für sicheres Radeln im Bezirk.

Stinkefinger, Platzkämpfe auf Fahrspuren und bissig eingeforderte Rechte – häufig geht es ruppig zu auf Berlins Straßen und oft gefährlich für Radfahrer. Marc Schulte (SPD) kennt die Schwierigkeiten, der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf radelt selbst. Schon allein bei zugeparkten Radwegen sieht er Gefahren für diejenigen, die ausweichen müssen. Er bedauert, „dass dieses Bewusstsein noch nicht bei den Autofahrern ist“. Die Initiatoren des Berliner Volksentscheids Fahrrad wollen diese Probleme auf ihre Art lösen. Sie fordern in einem Gesetzesentwurf unter anderem 100 Kilometer kreuzungsfreie Fahrradstraßen, Grüne Wellen auf Hauptstraßen und freie Fahrt in Einbahnstraßen. 89.729 Berliner hatten dem entsprechenden Volksbegehren im Juni ihre gültige Stimme gegeben. Genug um erfolgreich zu sein. Doch reicht das für ein konfliktfreies Miteinander? Eine Umsetzung dieser Maßnahmen ohne Beeinträchtigung anderer Verkehrsteilnehmer hält Andreas Geisel (SPD) für „kaum realisierbar“. Der Senator für Stadtentwicklung und Umwelt vermisst „den Blick auf das große Ganze“.

Schmale Wege

In Charlottenburg-Wilmersdorf tagt der „Fahr-Rat“ vierteljährlich, zusammen mit Umweltverbänden, der Verwaltung und Mitgliedern politischer Parteien. Sven Lorenzen, Sprecher der Stadteilgruppe City-West des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Berlins (ADFC) ist Mitglied und sieht noch reichlich Probleme. Für deren Lösung wünscht er „bei vielen Maßnahmen ein frühe Beteiligung“, da das Bezirksamt die Forderungen zu langsam umsetze. Besonders mahnt er den Zustand der oft schmalen Radwege auf den Bürgersteigen an, die häufig fehlende Sicherheit auf vielbefahrenen Straßen wie der Kantstraße und das Parken auf den Radwegen. Gefährlich für Radfahrer aber ist vor allem auch die Charlottenurger Ost-West-Verbindung über Bismarckstraße und Kaiserdamm. Dort gibt es zwar einen Radweg neben dem Bürgersteig. Dieser aber ist für Autofahrer wegen des Parkstreifens schwer einsehbar, sodass es immer wieder zu Unfällen kommt – vor allem beim Abbiegen.

Auch Marc Schulte sieht Bedarf

Insbesondere eine sichere Nord-Süd-Verbindung fehlt, zum Beispiel auf der Kaiser-Friedrich-Straße. Aber inzwischen hat sich in den Bauplanungen viel verändert. Allein 2015 wurden Radfahrstreifen in der Hubertusallee, Teplitzer, Nürnberger, Dove- und Helmholtzstraße geplant und teilweise schon umgesetzt. Seit April dieses Jahres freuen sich Radfahrer in der Uhlandstraße über die für sie eingerichtete Grüne Welle. Der Radverkehr wird „bei Straßenarbeiten inzwischen mitgedacht“, meint der Baustadtrat. Für Konflikte aber gelten „gegenseitige Rücksichtnahme“ – und die Straßenverkehrsordnung.

Text/ Bild: Christina Praus