Keine Bucht zum Baden

Umwelt: Politik setzt auf Zeitfaktor zur Regeneration der Rummelsburger Bucht.

Scherzhaft wird die Rummelsburger Bucht auch die Südküste Lichtenbergs genannt. Die Riviera des Bezirks ist nun seit fast zwei Jahrzehnten auch Aushängeschild in der bezirklichen Stadtentwicklung. Sowohl nördlich als auch südlich des Rummelsburger Sees wurden nach der Wende auf Industriebrachen großflächig neue Wohnviertel errichtet. In den begehrten Quartieren entlang der lang gezogenen Lichtenberger Uferpromenade wohnen inzwischen rund 5.000 Menschen. Weitere neue Bau-Projekte am westlichen Ende der Bucht kündigen sich auf Lichtenberger und Friedrichshainer Seite derzeit an. Auf der Insel Stralau und am Lichtenberg Ende der Bucht wird die Howoge bald Häuser mit insgesamt 600 Wohnungen errichten – der benachbarte Umsteigebahnhof Ostkreuz bekommt Mitte des kommenden Jahres seine volle Kapazität und als touristischer Höhepunkt plant ein israelisch-amerikanischer Investor auch noch den Bau eines 16.000 Quadratmeter großen Aquaparks mit leuchtenden Korallengärten, feuchten Tropen-Biotopen und nordfriesischem Wattenmeer.

Gift am Grund

Mittendrin schaukelt das Wasser der Bucht wie eh und je mit all seinen Problemen, die am Seegrund lauern. Jahrzehntelang wurden Industrieabwässer von der Stralauer Glasfabrik hier eingeleitet. Trotz Sicherungsmaßnahmen und großflächigem Aushub des Seegrundes ist noch immer genügend Gift im See, dass hier das Baden verboten ist.

Umweltministerin Barbara Hendricks war in der vergangenen Woche in Lichtenberg zu Gast. Bei einer Bootstour über die Spreebucht erläuterten Umweltsenator Geisel und Lichtenbergs Bürgermeisterin Monteiro (alle SPD) auch den aktuellen Sachstand zum Umweltschutz vor Ort. „Im Moment ist Baden hier nicht möglich. Es wird auch noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Wasserqualität als bedenkenlos eingestuft werden kann“, erläuterte Senator Geisel bei diesem Termin. Die Anlage großflächiger Schilfanlagen, die das Wasser auf natürlichem Wege reinigen, und der Bau einer Filteranlage am Ruschegraben seien die derzeit getroffenen Maßnahmen, um das Wasser in der Bucht auf lange Sicht hin zu reinigen. „Den Seegrund mit enorm viel Geld zu sanieren, ist kein realistisches Ziel. Wir setzen auf den Zeitfaktor und darauf, dass die Natur selbst in den kommenden Jahrzehnten hier die Wasserqualität regenerieren wird“, erläuterte der Senator. Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro nannte in diesem Zusammenhang auch die Nutzungskonzeption der Ufergestaltungen des Rummelsburger Sees, die von Lichtenberger Seite komplett ausgeführt sei, aber einer verbesserten Kommunikation mit den Friedrichshainer Kollegen bedarf. „Es muss eine gemeinsame Planung für den gesamten See angelegt werden“, so Monteiros Einschätzung. Ein Wunsch, der angesichts der intensiven Bautätigkeiten am Stralauer Ufer für die freie Zugänglichkeit zum Wasser noch einer besonderen Sorgfalt bedarf. Ein öffentlich zugänglicher Uferwanderweg soll auch auf der Friedrichshainer Seite durchgängig umgesetzt werden. „An der Stelle werden wir hartnäckig bleiben. Wir haben ja vor Jahren sogar wegen eines hartnäckigen Eigentümers schon eimal eine Stegführung über die Wasserfläche führen lassen“, erläuterte der Senator sein Konzept.

Text/ Bild: Stefan Bartylla