So viel Denkmal war noch nie

In Moabit wird der diesjährige Berliner Tag des offenen Denkmals eröffnet.

Mehr als 8.000 historische Baudenkmale, Parks oder archäologische Stätten öffnen am Tag des offenen Denkmals am 11. September deutschlandweit ihre Türen. Das teilt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz aus Bonn als bundesweite Koordinatorin der Aktion mit. Passend zum Jahresmotto „Gemeinsam Denkmale erhalten“ können die Besucher vor Ort erleben, wie viele Engagierte auf allen Ebenen nötig sind, um unser bauhistorisches Erbe vor dem Verfall zu bewahren. Der Erfolg des Tags des offenen Denkmals ist selbst ein Paradebeispiel für ein gelungenes Zusammenspiel verschiedener Planungspartner. Ohne die Organisatoren der Länder, der Städte und Kommunen, der Initiativen und Vereine, der Kirchengemeinden und viele andere oft ehrenamtlich Engagierte und private Denkmalbesitzer wäre eine so große und flächendeckende Kulturveranstaltung wie der Denkmaltag nicht durchführbar.

Sachkundige Führungen

In Berlin wird der Tag des offenen Denkmals bereits am 10. September, 11.30 Uhr, in der Kaiser Friedrich Gedächtniskirche eingeläutet. Das 1957 geweihte Gotteshaus, das von Architekt Ludwig Lemmer gezeichnet wurde, ist Teil des Hansaviertels. Anlässlich der Internationalen Bauausstellung 1957 entwarfen unter der Regie Otto Bartnings namhafte internationale Baumeister diese durchgrünte Siedlung am Rande des Tiergartens. Seit 2004 engagiert sich der Bürgerverein Hansaviertel für den Erhalt des Interbau-Erbes und organisiert auch in diesem Jahr sachkundige Führungen. Anmeldungen dafür sind erforderlich und erfolgen bis 8. September.
(030) 60 05 56 71

Technisches Denkmal

Ein sonst nicht zugängliches Denkmal kann mit Hilfe des Vereins Berliner Unterwelten am 11. September, 12 und 14 Uhr besichtigt werden. 1895 begannen die Bauarbeiten zum 295 Meter langen Versuchstunnel auf dem Gelände der AEG südlich des Volksparks Humboldthain zur AEG-Fabrik Ackerstraße. Mit dem Tunnel wollte man beweisen, dass sich im märkischen Sand U-Bahn-Tunnel entgegen der offenen Bauweise auch bohren lassen. Die AEG nutzte den Tunnel für betriebsinterne Zwecke, um Arbeiter und Materialien von einem Fabrikgelände zum anderen zu befördern. Im I. Weltkrieg war er Produktionsstandort von Rüstungsgütern, während des II. Weltkriegs diente er als Werkluftschutzanlage. Teilnahme nur mit Anmeldung möglich, Anmeldung nur vom 5. bis 7. September, jeweils 10 bis 14 Uhr ausschließlich telefonisch.
(030) 46 06 80 09

Herausragender Status

Gleich ein ganzes Festival gestaltet der Wiesenburg e.V. am 10. und 11. September, jeweils von 11 bis 19 Uhr. Auf dem knapp 12.000 qm großen Gelände befand sich ein vom Berliner Asyl-Verein 1896 erbautes Obdachlosenasyl, welches sich nicht nur durch seine einzigartigen menschenfreundlichen Grundsätze, sondern auch durch seine neuen medizinischen Standards einen weltweit herausragenden Status verschaffte. 1897 wurde die Wiesenburg auf der Weltausstellung in Brüssel mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Aktuell residieren hier Künstler und Kulturschaffende.

Wiesenburg feiert

Am 10. September wird es eine von der Conradstiftung und dem Bezirksamt Mitte, geförderte Wiesenburger Panketafel geben. Hier werden die Nachbarschaft, Berliner und Gäste zu Tisch gebeten. Auf Wunschkarten kann man seine Vorstellung der Wiesenburg der Zukunft schreiben. Am 10. und 11. finden um 15 und 18 Uhr Führungen über den nicht-gesperrten Bereich des Geländes im Rahmen des Tages des offenen Denkmals statt. Hier gibt es interessante Informationen zur Geschichte der Wiesenburg und Einblicke in Ateliers und Planungen zur weiteren Entwicklung. Innerhalb des Wedding-Kultur-Festivals unterhalten an beiden Tagen unterschiedliche Bands, Theater für Kinder, Hochseilartistik und vieles mehr die gewogenen Gäste. Am 11. September gibt es einen kleinen Trödelmarkt, auf dem nach vorheriger Anmeldung noch Stände angemietet werden können. Beim „Wiesenburger Open Mike – die Wiesenburg sucht den Weddingstar“ kann jeder seine Dicht-, Improvisations- oder Sangeskunst unter Beweis stellen.

mw, Bild: SenStadtUm