So macht die Bahn Lichtenrade kaputt

Verkehr: Viereinhalb Jahre Bauzeit, ebenerdige Streckenführung mitten durch den Kiez.

In seiner Wohnung hat Manfred Beck mehrere Vitrinen mit Modelleisenbahnen, doch die Fahrzeuge haben seit Jahren keine Runden mehr gedreht. „Der Tisch, auf dem die Gleise stehen könnten, ist voll mit Papieren zum Thema Dresdner Bahn, da ist kein Platz mehr“, sagt Beck. Der Rentner ist Vorsitzender der „Bürgerinitiative Dresdner Bahn“ und er erzählt die Geschichte um zu betonen, dass er ein großer Eisenbahn-Freund ist – auch wenn er seit Jahrzehnten gegen die Deutsche Bahn und deren geplante ebenerdige Streckenführung durch Lichtenrade kämpft. Gegen einen entsprechenden Planfeststellungsbeschluss hat die Bürgerinitiative Klage beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Sie bevorzugt eine Tunnellösung, bei der die Züge unterirdisch durch den Ortsteil rollen würden.

Lange Bauzeit

Die Bürgerinitiative sieht bei einer ebenerdigen Trassenführung viel Lärm auf die Anwohner zukommen. Das ist nicht das einzige Problem. Die Bahn kündigte kürzlich eine Bauzeit von viereinhalb Jahren und die Vollsperrung der Bahnhofstraße an. Auch wenn das Urteil des Verwaltungsgerichtes abgewartet werden soll, ist der Baubeginn derzeit offenbar für 2019/20 geplant. Beck glaubt, dass Lichtenrade daran kaputt gehen könne, da viele Menschen den Kiez verlassen würden. Dies befürchten auch ortsansässige Unternehmer. Rainer Welz bezeichnet die lange Bauzeit als „Super-Gau“: „Das urbane Leben ist ebenso gefährdet wie die ortsansässigen Betriebe.“ Dabei ist die Bahn mit ihren Bauplänen nicht alleine. Auch der Bezirk will die Bahnhofsstraße umgestalten. 20 Millionen Euro stehen hierfür in den nächsten Jahren bereit. Derzeit werde ein Verkehrs- und Gestaltungkonzept erarbeitet, kündigt die zuständige Stadträtin Sibyll Klotz (Grüne) an: „Der Umbau wird sich über mehrere Jahre hinziehen und in mehrere Abschnitte eingeteilt, um die Beeinträchtigung von Gewerbetreibenden und Bürgern so gering wie möglich zu halten.“

Belastungen abmildern

Auch die Bahn, mit deren Baumaßnahmen die Umgestaltungen nicht kollidieren würden, müsse die Belastungen für Anwohner abmildern, sagt Klotz. So sehe es das Verkehrskonzept vor, das Gegenstand der Genehmigungen für das Projekt sei. Für die gesamte Bauzeit seien etwa barrierefreie Querungsmöglichkeiten am S-Bahnhof Lichtenrade vorgesehen. Die Bahn habe zudem angekündigt, dass möglichst wenig über die Straße angeliefert werde, sondern möglichst schienengebunden in den Betriebspausen. Über die geplanten Baumaßnahmen werde ein Infopunkt am S-Bahnhof eingerichtet.

Philip Aubreville, Bild: Ansgar F. Gelau / absolut sichtbar