Schlaglöchern auf der Spur

Straßenbegeher dokumentieren Mängel an Straßen und Gehwegen.

Neulich im Thiloweg: René Behrends tritt fest auf die wacklige Gehwegplatte. „Eine Gefahrenquelle, das muss schnell ausgebessert werden“, sagt er und notiert Ort und Aufwand. In der Triftstraße ermittelt er einen abgesackten Bordstein. Am Nordgraben hängt ein Wahlplakat zu tief. „Die müssen 2,50 Meter hoch hängen“, sagt er. Der 47-Jährige ist einer von vier Straßenbegehern in Reinickendorf, die regelmäßig den Zustand der 470 Kilometer Straßen und fast 1.000 Kilometer Bürgersteige im Bezirk kontrollieren. Und der lässt häufig zu wünschen übrig. Laut Senat ist bezirksweit mehr als die Hälfte der Gehwege sanierungsbedürftig.

Im Blick

„Die vier Straßenbegeher sind die Augen des Bezirks und wichtige Seismografen, die für eine besser funktionierende Infrastruktur sorgen“, sagt Bezirksstadtrat Martin Lambert (CDU), der die Tour kürzlich begleitete. „Dabei kommt ihnen eine langjährige Erfahrung zugute, denn sie wissen genau, was gemacht werden muss.“ Den Sanierungsbedarf real einschätzen zu können, ist wichtig, denn die Mittel dafür sind nicht üppig: Reinickendorf setzt aus Bezirksmitteln jährlich 2,3 Millionen Euro für die Sanierung seines 470 Kilometer langen Straßennetzes ein; davon 1,5 Millionen für die sofortige Beseitigung von Gefahrenstellen. „Gerade mal 30 Cent pro Quadratmeter Straßenland gibt es vom Senat“, ergänzt Ingo Runge, Gruppenleiter Straßenunterhaltung im Straßen- und Grünflächenamt. „Das Doppelte wäre mindestens nötig. Da muss man klug haushalten. Die fünf beauftragten Firmen arbeiten die Aufträge rund um die Uhr ab; in eiligen Fällen noch am selben Tag.“ Allerdings kommen aus zahlreichen Sonderprogrammen des Senats jährlich nochmals rund sieben Millionen Euro für die Straßensanierung dazu; darunter allein 2,3 Millionen aus dem Schlaglochsonderprogramm. „Doch das dauert; alles muss bürokratisch angemeldet werden, den Bescheid gibt es erst Monate später“, so Lambert. „Viel schneller ginge es, wenn wir über Ausschreibung und Auftragsvergabe selbst bestimmen könnten.“

Langer Marsch

Indessen hat René Behrends auf den ersten Kilometern seiner Nebenstraßentour sieben Auftragszettel ausgefüllt. „15 werden es mindestens, aber es gibt auch Tage mit 70 Zetteln“, sagt er. Insgesamt sichtet das Straßenbegeher-Quartett im Zwei-Wochen-Rhythmus die Hauptstraßen, die Nebenstraßen werden alle zwei Monate belaufen. Der erfahrene Polier kommt pro Tag auf zwölf Kilometer. Seit März ist er dabei und legte seitdem rund 1.000 Kilometer per pedes zurück. „Zwar gibt es hier weniger Geld als auf dem Bau, aber ich hab ja noch 20 Berufsjahre vor mir und da ist mir die Gesundheit wichtiger“, erklärt er.

Bild+Text: Jürgen Zweigert