Alte Schule hofft auf Neuanfang

Pankow schätz den Sanierungsbedarf auf 427 Millionen Euro.

Das Primo-Levi-Gymnasium in Weißensee ist mit rund 1.200 Schülern das größte im Bezirk Pankow. Es besteht aus zwei denkmalgeschützten, etwa 300 Meter voneinander entfernten Gebäuden. Was für viele Berliner Schulen gilt, dass sie – wie man so sagt – in die Jahre gekommen sind, trifft hier doppelt zu: Das eine in der Woelckpromenade 38 stammt von 1910, das andere in der Pistoriusstraße 133 aus dem Jahr 1927.

Netz überlastet

„Seitdem ist eigentlich nie richtig durchsaniert worden“, sagt Schulleiter Uwe Schramm. Immer nur das Nötigste. In diesem Jahr etwa fließen 470.000 Euro in die Sanierung von Toiletten und Waschräumen. „Es war unerträglich, bei den Abrissarbeiten Unterricht zu machen. Doch anders hätten wir es nicht hinbekommen“, so Schramm. Eltern und Schüler zogen mit, waren froh, dass sich etwas tut. Nur einige Lehrer maulten. Völlig marode sind weiterhin Fenster und die elektrische Verkabelung in der Schule. „Wir arbeiten mit digitalen Tafeln, doch unser Leitungsnetz ist völlig überlastet“, sagt Schramm. Die Heizungszentrale sei inzwischen modernisiert. „Doch wir verplempern hier Energie ohne Ende, weil eine komplette energetische Sanierung fehlt“, schimpft der Schulleiter. Die historischen Schulgebäude denkmalschutz- und behindertengerecht zu sanieren, soll um die 30 Millonen Euro kosten. Schramm bedauert, dass damit Räume verloren gehen. Rund 190 Schüler werden dort dann weniger lernen können. Was Schramm aber am meisten bewegt: „Ich brauche eine praktikable Lösung, wie zeitgleich saniert und unterrichtet werden soll.“ Er sieht den Ausweg im Bau eines neuen Schulgebäudes an der Wölkpromenade – als Ausweichquartier. Dafür würde sich Schramm sogar noch ein paar Jahre in Geduld üben. Jetzt, da die Sanitäranlagen modernisiert sind und in den Ferien auch die Schulküche renoviert wird.

Passende Höhe

Der Sanierungsbedarf für die 70 Schulstandorte in Pankow wurde mit 427 Millionen Euro ermittelt. Allein der Sanierungsbedarf der Außenflächen beträgt rund 100 Millionen Euro. Da auch Maßnahmen erfasst wurden, die bereits finanziert sind, sowie Privatschulen, Jugendkunstschulen und nicht-schulische Projekte, könnten die Kosten um etwa ein Viertel sinken, relativiert Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD). Uwe Schramm begrüßt die neue Strategie des Senats, die Schulsanierung in die Hände von Fachleuten in einer „Task Force“ zu bündeln: „Vom Bezirk habe ich immer nur gehört, was nicht geht.“ Oder zu niedrige Kloschüsseln und Pissoirs bekommen. Erst Schramms Intervention im Hochbauamt brachte die Toiletten auf die passende Höhe.

Michael Hielscher, Bild: Primo-Levi-Gmnasium