Streit um das Kurt-Schumacher-Quartier

Bezirk warnt vor einem neuen Märkischen Viertel.

Beide wollen ein sozialverträgliches Kurt-Schumacher-Quartier (KSQ), doch Reinickendorf und der Senat streiten über den Weg dorthin. Auch nachdem der Siegerentwurf längst gekürt wurde, bleibt die geplante Bebauung der Ostecke des Flughafengeländes mit 5.000 Wohnungen umstritten. „Viel zu groß, viel zu dicht. Da droht ein Satellit ohne Anbindung“, kritisiert Baubezirksrat Martin Lambert (CDU) und erinnert an die Erfahrungen aus dem Märkischen Viertel. „Hier musste aus dem Stadtumbau West massiv investiert werden, um den Abwärtstrend abzumildern. Die Gesobau tat das Ihrige, um Wohn- und Lebensqualität aufzuwerten und das Sicherheitsgefühl zu verbessern.“ Solche aufwändigen Maßnahmen zur Abmilderung sozialer Brennpunkte sollten am KSQ verhindert werden.

Baustaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (SPD) teilt die Bedenken nicht. Auf einer Standortkonferenz betonte er die soziale Ausgewogenheit des Projekts. Anders als im Märkischen Viertel mit seinen 15.000 Hochhauswohnungen für 30.000 Menschen, entstünden im KSQ 5.000 Wohnungen für 10.000 Bewohner. Und anders als dort, gebe es hier nicht vorwiegend sozialen Wohnungsbau, sondern einen breiten Mix für alle Bevölkerungsschichten. Degewo, Gesobau und Gewobag errichten 2.500 Wohnungen, private und genossenschaftliche Bauherren sind dabei. Dies verspreche über die Jahre doch auch eine gute Nachbarschaft.

Unausgewogener Siegerentwurf

Die Größe ist der Knackpunkt des Streits. Mit der geplanten „Urban Tech Republik“ – rund 1.000 Unternehmen, 15.000 Beschäftigte, 5.000 Studierende – rücken Arbeiten und Wohnen einander dicht auf den Pelz. Lambert: „Da sind Konflikte programmiert. Es muss geprüft werden, wie weit Wohnbebauung an Industrie heranwachsen darf.“ Der Siegerentwurf sei in vielerlei Hinsicht unausgewogen. Es gebe ein Grünflächendefizit von 5.000 Quadratmetern; die Freiflächen für Schulen und Kitas seien zu klein; das Entwässerungskonzept völlig unzureichend. Der bereits vom Senat zugesagte Erhalt der Sportplätze am Uranusweg tauchten im Flächennutzungsplan nicht mehr auf; die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei mit nur einer Buslinie nicht ausreichend. „Da ist noch sehr viel intensive Arbeit nötig – und das funktioniert nur in enger Kooperation mit dem Bezirk“, so Lambert.

Senat und Bezirk müssen sich sputen, ihre Pläne abzustimmen. Sollte der Flughafen Tegel, wie angekündigt, im Sommer 2018 frei sein, könnte 2019 die Erschließung des KSQ-Baufeldes beginnen und ab 2020 der Wohnungsbau starten.

Jürgen Zweigert, Bild: Tegel Projekt