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Stadtentwicklung: Ein erfolgreicher Bürgerantrag zielt auf einen neuen Planungsprozess für die Michelangelostraße.

Horst Krüger ist außer sich vor Freude, denn die harte Arbeit der letzten Monate hat sich gelohnt. Der Vorsitzende des „Vereins für Lebensqualität an der Michelangelostraße“ und seine Mitstreiter sammelten mehr als 1.200 Unterschriften, führten Gespräche mit den Anwohnern und Politikern und bieten seit März 2016 einen mobilen Informationsstand an. Die Befürchtung: Ein zugebauter Kiez, in dem Grünflächen rar, Bäume verschwunden sind und das Klima gesundheitsschädlich ist. Das Ziel: Das geplante Bauprojekt zu entschärfen und statt einer massiven Bebauung der Gegend nur eine „behutsame Nachverdichtung“ zuzulassen.

Mehrheitlich angenommen

Nun ist der Verein seinem Vorhaben einen deutlichen Schritt näher gekommen – der Antrag des Vereins mit entsprechenden Forderungen wurde jüngst durch einen Abgeordneten in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eingebracht und mehrheitlich angenommen. Damit soll der Planungsprozess für das „Bauen an der Michelangelostraße“ unter Mitwirkung der Anwohner neu begonnen werden, wobei insbesondere stadtökologische und verkehrsplanerische Aspekte eine Rolle spielen sollen. „Wir gehen jetzt davon aus, dass es durch den BVV-Beschluss und die Kontrolle seiner Umsetzung endlich zu einer ordnungsgemäßen Vorbereitung der Bebauung an der Michelangelostraße noch vor der Erstellung des B-Planes kommt – und das mit angemessener Bürgerbeteiligung“, erklärt Horst Krüger und berichtet, wie in regelmäßigen Gesprächen mit Vertretern des Bezirksamtes vorgebrachte Vorschläge zwar angehört wurden, aber kaum Berücksichtigung fanden. Um so mehr müsse man darauf achten, den Beschluss nicht „versanden“ zu lassen und die Fraktionen auch im neuen Bezirksparlament nach den Wahlen im September wiederholt daran zu erinnern. Tatsächlich ist noch unklar, wie es nun konkret weitergeht, wenn die derzeitige Planung des Stadtentwicklungsamtes zurückgesetzt und auf neuer Grundlage aufgezogen wird. Anfang August steht ein turnusmäßiges Treffen zwischen Bezirksamt und Verein an. „Vorher bleiben alle Aussagen reine Mutmaßung und Antragsinterpretation“, sagt Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Bündnis90/Die Grünen). Dann müsse sich auch zeigen, ob es „die Anwohnerschaft überhaupt gebe“. „Wir haben eine grundsätzliche Beteiligungsdebatte vor uns“, glaubt Kirchner.

Anwohner einbeziehen

Beim „Verein für Lebensqualität“ hält man dagegen wenig von solchen Einwänden. „Wir werden nunmehr unsere Ziele fachlich kompetent und vehement weiterverfolgen im Interesse der betroffenen Anwohnerschaft“, sagt Horst Krüger.

Philip Aubreville, Bild: SenStadtUm