Hälfte der Gehwege marode

Die Gehwege im Bezirk sind Flickenteppiche – und werden das wohl bleiben.

Die Anfrage der grünen Abgeordneten Anja Kofbinger zum Zustand der Berliner Gehwege hat Zündstoff. Denn was jetzt manche Bezirke in Richtung Senatsverwaltung meldeten, wirft Licht auf eine jahre- oder gar jahrzehntelange Vernachlässigung der Geh- und Radwege. In Marzahn-Hellersdorf müssten demnach 80 Prozent der Gehwege saniert werden. Nicht viel besser sieht es in Tempelhof-Schöneberg aus, hier seien rund die Hälfte der Gehwege sanierungsbedürftig. Im ganzen Bezirk warnen inzwischen die Schilder des Bezirksamtes vor Gehweg-Schäden.

Bäume sind das Problem

Vor allem Baumwurzeln verursachen Bodenwellen und heben das Pflaster. „Das ist gerade in den Außenbereichen des Bezirks problematisch, weil dort die Gehwege schmäler sind als in der Innenstadt“, sagt Bezirksstadtrat Daniel Krüger (CDU). Die Bäume zu fällen hält der Politiker für keine gute Idee. „Die Bürger sind bei Bäumen sehr sensibel und nehmen da schon lieber die Bodenwellen in Kauf.“ Der Bezirk konzentriert sich deswegen vor allem darauf, verkehrsgefährdende Schäden kontinuierlich und kleinflächig zu reparieren.
2,5 Millionen Euro kann der Bezirk für seine Straßen und Gehwege in diesem Jahr ausgeben – zunächst werden damit jedoch akute Gefahren beseitigt, Markierungen erneuert oder die Verkehrsführungen baulich angepasst. Nur etwa zehn Prozent fließen in die Sanierung von Geh- und Radwegen, in diesem Jahr also rund 250.000 Euro. „Für eine großräumige Gehwegsanierung reicht das nicht“, sagt Krüger.

Stetiger Geldfluss würde helfen

Ob angesichts der knappen Kassen künftig mehr Geld in die Gehwege gesteckt wird, ist fraglich. Für Krüger wäre schon die Verstetigung des Geldflusses eine Entlastung. „Gerade vor den Wahlen haben Sonderprogramme Konjunktur“, klagt der CDU-Politiker. „Ein bedarfsgerechter Einsatz meiner Mitarbeiter bei unerwarteten Geldschüben wird immer schwieriger.“ Er fordert deswegen einen Diskurs über Sonderprogramme, die teilweise sinnflutartig über die Bezirke schwappen würden. Für die Bezirke bedeuten solche zeitlich befristeten Sonderprogramme etwa zur Barrierefreiheit im Verkehrsraum einen hohen administrativen und planerischen Aufwand, auf der anderen Seite sei eine langfristige Planung kaum möglich. So wird es wohl weiter bei der Flickenschusterei bleiben. Noch sind dem Bezirksstadtrat keine Fälle bekannt, bei denen es wegen eines schlechten Gehwegs zu einem Personenschaden gekommen wäre.

Daniel Seeger, Bild: imago stock&people