Die Freiheit, sich zu entscheiden

Asbest: Noch immer gibt es kein Asbestregister.

Quer durch die Bezirksämter werden die Rufe nach einem Asbestregister lauter. Doch ob das alleine reicht? Die Mieter des landeseigenen Blocks „Schlange“ in der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf wissen von der Degewo bereits längst, dass viele ihrer Wohnungen belastet sind und bei der Beschädigung von Fußbodenplatten Asbest freigesetzt werden kann. Wer eine Sanierung wünsche, komme auf eine „Asbestsanierungsliste“. Das war 2012. Seitdem läuft die Asbestsanierung schleppend, sagt Mieter Hartmut Bauer (61). Er glaubt, dass gerade mal zehn Prozent der 1.215 Wohnungen in den vergangenen Jahren saniert wurden. Die Wohnung seiner Nachbarin Beatrix Lauf (51) brauchte erst einen Wasserschaden für die Asbestsanierung. Mieterin Sonja Scholz (69) wiederum will nicht mehrere Wochen in eine Ersatzwohnung umziehen, ist ihr zu umständlich. Derzeit sieht sie „keine akute Gefahr“. Auch vielen anderen, die seit Jahrzehnten hier wohnen, erscheint der Aufwand zu groß.

Wissen um das Risiko

Trotzdem sei es wichtig, dass die Mieter von dem Risiko wissen. „Jeder muss sich frei entscheiden können“, sagt Beatrix Lauf. Angeblich hat Berlin über 50.000 asbestbelastete landeseigene Wohnungen, räumte der Senat schon vor Jahren ein. Eine Auflistung, in welchen nicht-landeseigenen 1,9 Millionen Wohnungen krebserregender Asbest zu finden ist, gibt es nicht. Das sei „aus Datenschutzgründen“ nicht erlaubt, wurde aber laut Senatssprecher Martin Pallgen „vom Senat nie grundsätzlich abgelehnt“. Wie das Berliner Abendblatt im Mai berichtete, regt sich Widerstand. So kämpfen der Berliner Mieterverein und Bündnis 90/Die Grünen seit Jahren für eine Bestands-aufnahme.

Christina Praus