Großer Ärger…

Mehr Kriminalität im Kleinen Tiergarten.

Druffis und Dealer – so bezeichnet der Volksmund jene, die ihm den Alltag schon mal vermiesen können. Im Kleinen Tiergarten/Ottopark zum Beispiel waren die Trinker (Druffis) und Dealer schon immer sehr aktiv. Auch deshalb sollte die Grünanlage an der Turmstraße und in Nachbarschaft des Lageso ordentlich durchlüftet und neu gestaltet werden. Dunkle, uneinsehbare Nischen mussten verschwinden, Bäume wurden gefällt, unförmige Sitzkiesel aus Beton verpflanzt. Knapp acht Millionen Euro ließ sich der Bezirk das Ganze kosten (inklusive jede Menge Fördermittel aus diversen Töpfen). Und nun? Intern erklärte die Berliner Polizei das Areal unlängst zum „kriminalitätsbelasteten Ort“. Damit befindet es sich in Gesellschaft von „Kriegsschauplätzen“ wie es das Kottbusser Tor oder die Gegend ums RAW-Gelände in Friedrichshain sind. Doch im Gegensatz zu Letzterem ohne Antänzer.

Drogen angepriesen

Im Kleinen Tiergarten wird nicht lange gefackelt. Auszug aus einem Bericht der Berliner Zeitung: „Letzte Woche wurde im Kleinen Tiergarten ein 16-Jähriger seines Handys beraubt und mit einem Messer verletzt, als er abends durch den Park ging. Zuvor hielten mehrere Männer einem 22-Jährigen ein Messer an den Hals, schlugen mit einer Flasche auf ihn ein und beraubten ihn. Wenig später wurde ein 48-Jähriger durch einen Messerstich schwer verletzt.“ Von Anwohnern ist zu erfahren, dass hier ständig Dealer – „wahrscheinlich aus Nordafrika“ – Passanten belästigen und ihre Drogen offensiv anpreisen würden. Eine Passantin klagt: „Ich finde es fürchterlich. Ich habe Angst, hier abends langzugehen, wenn ich zum Beispiel von einer Veranstaltung komme.“

Entspannte Stimmung

Die nüchternen Zahlen sprechen für sich: Von Januar bis Ende Mai registrierte die Polizei 199 Rohheitsdelikte. Im selben Zeitraum 2015 waren es 61 Fälle. Ebenfalls erfasst wurden 312 Diebstähle (157 Delikte im Vorjahreszeitraum). Diese Steigerung soll vor allem auf einem Anstieg der Taschendiebstähle von 43 auf 135 Taten beruhen. Als Grund für die Zunahme sieht die Polizei „günstige Tatgelegenheitsstrukturen“ wegen des hohen Personenaufkommens im Bereich der an den Park grenzenden Turmstraße, der Zugänge zum U-Bahnhof und der Bushaltestellen. Bei einem Spaziergang durch die Parkanlage scheint die Stimmung entspannt. Der Spielplatz ist gut besucht, an der Tischtennisplatte tummeln sich ein paar Jugendliche und ein Streifenwagen der Polizei wirkt wie ein munterer Farbtupfer. Wie schlimm ist es denn mit der Kriminalität? Die junge Mutter lacht: „Meinen Sie die Druffis und Dealer da hinten? Die waren doch immer schon da.“

Manfred Wolf, Bild: imago stock&people