Plan B fürs Glaswerk

Stralau: Initiative stellt alternativen Bebauungsplan vor.

Einst wurden hier Glasflaschen und Granatbehältnisse hergestellt, heute sind von dem Industriestandort nur noch mit Graffiti überzogene Backsteinbauten übrig. Seit Jahren wird darüber debattiert, wie das Gelände des einstigen Glaswerks Stralau bebaut werden könnte. Ein Netzwerk von engagierten Bürgern hat nun einen alternativen Bebauungsplan vorgestellt – doch die Vorschläge kommen wohl zu spät. An der ganzen Rummelsburger Bucht gibt es rasante Entwicklungen und immer wieder Pläne für verschiedene Projekte. Besonders die Halbinsel Stralau erlebe eine massive Bebauung. „Das ehemalige Glaswerksgelände ist eine der wenigen Freiflächen, die sich noch im Besitz des Landes Berlin befinden“, sagt Tobias Trommer von den „Initiativen rund um das Ostkreuz“. Dass der aktuelle Bebauungsplan hier eine dichte Bebauung ebenso gestatte wie zehngeschossige Gebäude, sei nicht nur vielen Anwohnern ein Dorn im Auge. Eine große Mehrheit spreche sich für Änderungen aus. Nun haben die „Initiativen am Ostkreuz“ eine Alternative entwickelt. Ein maximal sechsgeschossiger Gebäudekomplex steht ebenso auf dem Plan wie der Erhalt von Grünflächen ohne Wohnraumverluste. Als die Aktivisten ihre Pläne jüngst im Stadtentwicklungsausschuss vorstellten, seien sie mit Interesse, aber etwas ratlos zur Kenntnis genommen worden, so der Vorsitzende John Dahl (SPD). Das Bezirksamt sei nicht annähernd in der Lage, Fragen zu beantworten. Auch Trommer ärgert sich über die „Blockadehaltung“ von Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne), dem man erste Entwürfe schon vor einiger Zeit vorgestellt habe. „Die angeblich grüne Bezirkspolitik hat überhaupt kein Interesse an dem Thema“, meint Trommer. Panhoff war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Dahl sieht aber auch Probleme bei dem Alternativvorschlag. So weist der Alternativentwurf noch eine Freifläche aus, auf der aber bereits gebaut wird: „Nach meinem Kenntnisstand ist die Vergabe der Grundstücke weitestgehend abgeschlossen.“ Er sei skeptisch, ob ein alternativer Bebauungsplan noch Auswirkungen haben könnte. Die „Initiativen am Ostkreuz“ wollen dennoch nicht aufgeben und möglicherweise auch das Gespräch mit den Investoren suchen. Der Bebauungsplan gefährde die Lebensqualität der Anwohner und die Natur.

Philip Aubreville, Bild: Initiativen rund ums Ostkreuz