Ein Kiez freut sich aufs Schwimmen

Freizeit: Historisches Bad im Hotel Oderberger ist schon zu besichtigen.

Der Kiez rund um die Oderberger Straße 57 in Prenzlauer Berg sehnt den Oktober herbei. Dann endlich darf dort wieder geschwommen werden, wo 1902 die Volksbadeanstalt öffnete. Zu Gründerzeiten war diese vor allem auch ein gefragter Ort der Körperhygiene. Um Geld zu sparen, teilten sich Familien oftmals eines von 200 Wannenbädern. Das Neorenaissance-Gebäude überstand den Krieg unbeschadet, wurde noch bis 1986 genutzt, ehe es wegen irreparabler Schäden schließen musste. Nach 30 Jahren erlebt das Bad als Teil des im Januar eröffneten Hotels „Oderberger“ seine Wiedergeburt.

Große Chance

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Barbara Jaeschke

Der Bezirk war heilfroh, als sich das Unternehmer-Paar Barbara und Hans-Dieter Jaeschke 2011 entschloss, den maroden Bau zu retten, um daraus ein Hotel mit originellem wie originalem Schwimmbad zu machen und den Campus des privaten GLS Sprachen Zentrums Berlins zu komplettieren. Inhaberin und Direktorin Barbara Jaeschke habe jeden Tag von ihrem Arbeitszimmer an der Kastanienallee auf das alte Stadtbad geschaut. Dabei reifte der Entschluss, das denkmalgeschützte Gebäude als Chance und Herausforderung anzunehmen. „Welche Sprachschule kann schon ein eigenes Hallenbad bieten?“, fragt sie heute stolz. Fünf Jahre und 18 Millionen privat investierte Euro später erlebte das Hotel seine Pre-Opening-Phase. Und die kathedralenartige Schwimmhalle bereits ihre ersten Bewährungsproben als faszinierender Ort für Galas, Konzerte, Partys, Hochzeiten, Parteitage oder Fotoshootings. Um die beeindruckende Halle auch als einzigartige Eventlocation zu nutzen, kann der 1,45 Meter tiefe Beckenboden hochgefahren werden. Das Wasser entweicht zuvor durch Luken in ein zweites Becken unter dem Boden. Ein leistungsstarkes Entlüftungssystem soll dafür sorgen, dass kein Chlorgeruch die Partygäste stört. „Moderne Bäder arbeiten außerdem mehr mit Sauerstoff“, beruhigt Barbara Jaeschke.

Kostenlose Führungen

Entsprechend der Beckengröße sollen nie mehr als 30 Badegäste gleichzeitig im Wasser sein. „Ja, der Kiez wartet auf unser Bad, aber mehr passen wirklich nicht rein!“, warnt Barbara Jaeschke vor überzogenen Erwartungen. Ab Oktober öffnet das Bad für die Öffentlichkeit, an fünf Tagen pro Woche zu unterschiedlichen Zeiten. Wer nicht bis dahin warten will, kann einen ersten Blick auf das Bad bei einer einstündigen kostenlosen Führung riskieren. Treffpunkt ist jeden Dienstag um 17 Uhr an der Hotel-Rezeption.

Michael Hielscher, Bilder: Michael Hielscher