Vernachlässigte Schulen

Sanierungsstau: Senat erkennt nur 50 Millionen Euro des vom Bezirk errechneten Bedarfs an.

Hier wird alles auf kurzem Wege geregelt“, weiß Carola Melchert-Arlt. Die Schulleiterin der Mierendorff-Grundschule mit ihren 480 Schülern hat immer wieder die Erfahrung gemacht, dass ein Anruf im Bezirksamt stets zu schneller Reaktion führte. Zum Beispiel stand an einem Donnerstagabend im Frühjahr die Schulsporthalle durch einen Rohrbruch unter Wasser. Zwei Tage später konnten die Kinder wieder trainieren. „Charlottenburg-Wilmersdorf ist einfach super organisiert“, meint sie begeistert. Angeblich klingen viele ihrer Kollegen so.

Dauernd unterfinanziert

Laut Bezirkstadträtin Dagmar König (CDU) werden „regelmäßig etwa zwei Drittel der Mittel für bauliche Unterhaltung in unsere Schulbauten gesteckt“. Pauschal gibt das Land Berlin für bauliche Maßnahmen zur freien Verwendung durch den Bezirk etwa zehn Millionen Euro jährlich. Genug für das Notwendigste. Größere Sanierungen, wie Fassaden oder Fensterfronten, aber sind davon nicht zu leisten. Auch andere Geldtöpfe, etwa das Schulsanierungsprogramm des Senats, konnten da „eine andauernde Unterfinanzierung der Bezirke“ nicht ausgleichen, sagt Holger Pabst, BVV-Fraktionsvorsitzender der Piraten.

Noch drastischer formuliert es der Vorsitzende Tom Erdmann von der Lehrergewerkschaft GEW: „Über Jahre haben Senat und Bezirke die Berliner Schulen vernachlässigt.“ Das führte dazu, dass erzürnte Eltern aus Steglitz-Zehlendorf seit 2006 einen Adventskalender, später den Blog „Einstürzende Schulbauten“, mit Bildern von Schimmelpilzbefall, kaputten Beleuchtungen, gesperrten Turnhallen und unsanierten Toiletten an Senat, Verwaltung, Politiker und Journalisten sandten.

Stadtrat hofft

Nun erhob der Senat erstmals einheitlich den Schulsanierungsbedarf. Die Bezirke errechneten insgesamt 4,9 Milliarden Euro für ihre Schulen, 3,4 Milliarden mehr als der Senat. In Charlottenburg-Wilmersdorf beläuft sich der Bedarf auf 368,1 Millionen Euro. Davon aber wolle der Senat nur 50 Millionen anerkennen, da der Rest Modernisierungsvorhaben und kein Sanierungsstau sei. Schulstadtrat Oliver Schruoffeneger (Bündnis90/Die Grünen) hofft nun, „die Finanzierung, die aus verschiedenen Töpfen kommt, unbürokratisch und flexibel einsetzen zu können.“ Schon SIWA1 und SIWA2 (das Berliner Abendblatt berichtete) hatten Schul- und Sportstättensanierungen möglich gemacht.

Auch Carola Melchert-Arlt hat noch Wünsche offen. Derzeit werden die Toiletten saniert, bald vielleicht der Fußboden ausgetauscht und die Lärmschutzdecken saniert. Und hoffentlich in zehn Jahren endlich mal die Fenster und Jalousien auf den neuesten Stand gebracht.

Autor/Bild: Christina Praus