Erschütternde Veränderungen

Verkehr: Ab Herbst rollen wieder Güterzüge zwischen Halensee und Tempelhof – Anwohner fürchten gesundheitliche Probleme durch Lärm und Erschütterungen.

Schon jetzt geht es am südlichen Innenring zwischen Halensee und Tempelhof in unmittelbarer Nähe von S-Bahn-Strecke und Autobahn nicht gerade leise zu. Im September könnte sich der Lärmpegel noch erhöhen, wenn die Deutsche Bahn erstmals seit 15 Jahren wieder Güterzüge über die Strecke schickt. Anwohner hoffen auf einen „Schulterschluss“ mit Verwaltung und Politik, um so gegenüber der Bahn wenigstens weitreichende Lärm- und Erschütterungsschutzmaßnahmen durchzusetzen.

Schon jetzt viel Lärm

„Die Anwohner entlang des Innenrings sind schon heute durch den S-Bahn-, vor allem aber den Autobahnverkehr über die Maßen belastet. Eine intensive zusätzliche Nutzung der Strecke durch Güterzüge bringt erhebliche Lärmemissionen (insbesondere nachts) mit sich“, kritisiert Ulrich Kreißl von der „Initiative Bundesplatz“, die sich für mehr „Stadtqualität“ in ihrem Wilmersdorfer Kiez einsetzt. Zum Lärm kämen noch Erschütterungen durch den zusätzlichen Zugverkehr. Kreißl fürchtet deshalb „gesundheitliche Beeinträchtigungen“ für tausende Anwohner. Sorgen macht sich die Initiative auch wegen der unklaren Situation in Sachen Schallschutz. „Da es sich rechtlich gesehen lediglich um die Wiederinbetriebnahme eines bestehenden Verkehrsweges handelt, besteht hierauf leider kein Rechtsanspruch“, erklärt Uwe Peitz von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Berliner Politik, insbesondere auf Senatsebene, frühzeitig ihren Einfluss auf die Bahn geltend gemacht hätte“, meint Kreißl. Die Pläne waren schließlich lange bekannt.

Konzept für Lärmschutz

Immerhin: Im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens für die angedachte Elektrifizierung der Strecke werde ein Schallschutzkonzept entwickelt, sagt Bahn-Sprecher Holger Auferkamp. Dabei sei eine Kombination von aktiven Schallschutzmaßnahmen wie etwa Lärmschutzwänden geplant. „Über dieses Konzept werden die Anwohner voraussichtlich im vierten Quartal 2016 informiert werden“, so Auferkamp weiter. Bis zur Elektrifizierung befahren ab Herbst zunächst 60 Km/h schnelle Diesellokomotiven die Strecke.
Runder Tisch. Stefan Gelbhaar, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, fordert indes eine stärkere Einbeziehung der Anwohnerschaft. „Senat, Bahn und Bürgerinitiative gehören an einen

Runden Tisch

Konkret kann es um Maßnahmen wie Schienenstegdämpfer oder spezielle Lärmschutzwände gehen, aber auch die Zugfahrten selbst gehören auf den Tisch“, meint Gelbhaar.

Senat in Kontakt

Tatsächlich versuche man im Kontakt mit der Deutschen Bahn „Lösungen für einen sachgerechten Lärmschutz zu entwickeln“, sagt Senatssprecher Peitz. Denn der Güterverkehr auf dem Innenring lässt sich wohl kaum noch verhindern.

Philip Aubreville, Bild: Thinkstock/iStock/coco194