Magdeburger Platz bleibt nachts geschlossen

Stadtplanung: Ein massiver Metallzaun soll Huren und Drogen aus dem Park verbannen.

Jetzt zieht der Bezirk Mitte die Notbremse am Magdeburger Platz: Um den beliebten Park inmitten der Häuserzeilen der Genthiner, Lützow- und Kluckstraße wird im Moment ein massiver Metallzaun gezogen und nachts soll die Anlage mit einer abschließbaren Tür für alle Besucher gesperrt sein. Ab August wird es dann geregelte Öffnungszeiten geben. In den Sommermonaten von 7 bis 20 Uhr, im Winter von 7 bis 18 Uhr.

Schandfleck im Kiez

Mit dieser Schutzmaßnahme sollen Huren und Dealer vertrieben werden. Sie haben in den letzten Jahren aus der 3.000 Quadratmeter großen Grünfläche einen der größten Schandflecke im Kiez gemacht. Prostituierte haben hier Freier mit schnellem Sex bedient, Dealer mit Drogen gehandelt. Überall lagen Kondome, Spritzen und Fäkalien. Deshalb wurde der Park bereits im vergangenen September mit einem Bauzaun provisorisch abgeriegelt. Der abschließbare Zaun kostet den Bezirk 36.000 Euro, der tägliche Schließdienst jeden Monat 500 Euro. Durch Nachpflanzungen soll der Park wieder attraktiver gemacht und die Büsche stark beschnitten werden. Dann wäre das Areal besser einsehbar und es würden sich auch keine Verstecke für Drogen mehr anbieten. Für eine Sonderbehandlung wie im Görlitzer Park fehlt leider das Geld. Deshalb könne die Präsenz von Polizei und Ordnungsamt nicht verstärkt werden, heißt es aus der zuständigen Verwaltung.

Verschiebung des Problems

Aber nicht alle sind mit der momentanen Lösung glücklich. Für Michael Klinnert vom Quartiersmanagement Magdeburger Platz verschiebt sich im Grunde nur das Problem. Die Huren wechseln einfach nur das Revier. „Das Geschäft hat sich jetzt schon in die Nebenstraßen, in Hauseingänge oder auf Parkplätze in der Umgebung verlagert“, sagt Klinnert. 200 bis 400 Prostituierte buhlen rund um die Kurfürstenstraße um Kundschaft. Mit einer vollständigen Verdrängung des Straßenstrichs rechnet Klinnert nicht. Die Prostitution hat in diesem Kiez eine jahrzehntelange Tradition, seit den 1970er-Jahren gibt es dort den Billigstrich, der sich später zum Drogenbeschaffungsstrich wandelte. Und doch leben hier auch viele Familien mit Kindern, es gibt Kitas, eine Klinik und eine Grundschule. Über die Probleme, die schließlich den Magdeburger Platz zum Sperrbezirk gemacht haben, spricht Regine Wosnitza nicht gerne. Sie ist Mitglied des Quartiersrats, der Anfang Juli ein Picknick am Magdeburger Platz ausrichtete. Regine Wosnitza wünscht sich, dass die Menschen hier ihren Park neu entdecken und ihn wieder zu dem machen, was er einmal war: Ein beliebter Treffpunkt in der Nachbarschaft.

Daniel Seeger, Bild: imago/Olaf Wagner