Mehr Tempo beim Neubau von Schulen

Bildung: Schülerzuwachs in Friedrichshain besonders stark – fünf neue Grundschulen nötig.

Der Schulbau hinkt deutlich hinter der wachsenden Stadt her: Bis zu neun Jahre vergehen vom Reißbrett bis zur fertigen Schule. Eine „Task Force Schulbau“ des Senats will nun die Bauzeit um die Hälfte reduzieren. Schnelleres Planen, deutlich weniger Bürokratie, mehr Geld für Neubau und Sanierung sollen dies ermöglichen. Das ist bitter nötig, denn zum Schuljahr 2024/25 erwartet Berlin bis zu 86.000 zusätzliche Schüler, darunter 75.000 in allgemeinbildenden Schulen. Hinzu kommen rund 20.000 Flüchtlingskinder. Eine Entwicklung, die Senat und Bezirke überrascht und alle bisherigen Prognosen zu Makulatur macht.

Situation angespannt

Friedrichshain-Kreuzberg rechnet in den kommenden acht Jahren an den allgemeinbildenden Schulen mit einem Wachstum von 21.700 auf 25.400 Schüler. Klar ist: Wo gebaut wird, kommen auch neue Schüler. Allein in Friedrichshain entstehen bis 2020 rund 7.000 neue Wohnungen, davon werden 1.700 derzeit realisiert, weitere 3.300 könnten bereits in den nächsten drei Jahren gebaut werden. Schätzungen gehen von einem Zuzug von 1.400 Kindern und Jugendlichen im schulpflichtigen Alter aus. „Besonders die Grundschulen sind gefordert“, sagt Schulstadtrat Peter Beckers (SPD). Zum Schuljahr 2022/23 werden es insgesamt in allen Klassenstufen wohl rund 1.000 Schüler mehr als heute sein. Gesamtbezirklich sei dies zu verkraften, doch die beiden Ortsteile seien ganz unterschiedlich gefordert, so Beckers. Während in Kreuzberg Überkapazitäten teilweise abgebaut und das Grundschulnetz neu organisiert werden müsse, ist die Situation in Friedrichshain viel angespannter. „Hier müssen wir die Kapazität erhöhen und planen deshalb weitere An- und Neubauten“, so Beckers. Das betrifft beispielsweise die Zille-Grundschule an der Boxhagener Straße. Dort entsteht auf dem Schulhof ein Modularer Ergänzungsbau (MEBs) mit zwölf Unterrichtsräumen. Weitere MEBs mit je 24 und 16 Räumen sind an der Corinthstraße und der Pufendorfstraße vorgesehen. Der zusätzliche Raumbedarf, den das Bezirksamt angibt, entspricht fünf Grundschulen , zwei Sekundarschulen und einem Gymnasium.

Daneben werden marode Schulgebäude saniert. 90 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren bezirksweit dafür eingesetzt. „Doch unbestritten muss da mehr passieren. Die Aufstockung der Sanierungsmittel ist zwar ein guter Anfang, aber der Senat muss sich, wie versprochen, noch deutlicher finanziell engagieren“, fordert Beckers. Denn nach dem bisherigen Stand der Schulgebäudescans werden mindestens 300 Millionen Euro benötigt, damit alle Schulen im Bezirk „sanierungsfrei“ sind.

Jürgen Zweigert, Bild: Archiv/Studienkreis