Zwietracht unter den Laubenpiepern

Integration: Vereinsvorsitzender hat zwei türkische Familien als Pächter abgelehnt.

Ein Vorwurf, der über die Grenzen Berlins für Schlagzeilen sorgt: Der Vereinsvorsitzende der Gartenkolonie Frieden in Mariendorf habe zwei Familien die Pacht einer Gartenlaube aufgrund ihrer türkischen Herkunft verweigert. Bezirksstadtrat Oliver Schworck forderte bereits, der Kolonie den Vereinsstatus wegen fehlender Gemeinnützigkeit abzuerkennen.

Große Gräben

CR_LVS_TE_Laubenkolonie_27Lokaltermin in der Gottlieb-Dunkel-Straße. Vor dem Vereinsheim ist die deutsche Flagge gehisst. Zu Zeiten der Fußball-EM sicher nichts ungewöhnliches, aber herrscht unter den Laubenpiepern auch ein besonderes Deutschtum? Der Vorsitzende Helmut Matthes versucht sich zu rechtfertigen: „Wir sind nicht ausländerfeindlich, aber…“ Es gebe eben viele Klagen von deutschen Pächtern. Die türkischstämmigen Mitglieder blieben unter sich, kämen weder zu Sommerfest, Weihnachtsfeier oder zur verpflichtenden Vereinssitzung, mähen am Sonntag den Rasen und hätten Probleme, wenn Frauen sich im Bikini in ihrem Garten sonnen. Der Verein ginge so den Bach runter und jetzt lasse Norbert Gieseking vom Bezirksverband der Kleingärtner auch noch den Vereinsvorsitzenden hängen, schimpfen die Mitglieder. „Wir haben diese sozialen Probleme Herrn Gieseking vor zwei Jahren geschildert und mit ihm die Übereinkunft getroffen, den Anteil an Pächtern mit Migrationshintergrund von 25 Prozent nicht weiter zu erhöhen“, sagt Matthes.

Dieser Behauptung widerspricht Gieseking: „Weder in der Satzung noch sonst irgendwo hat es diese Übereinkunft gegeben.“ Der Bezirksverband habe Ende vergangenen Jahres für ein bis zwei Monate den Paragraph 19 des Gleichstellungsgesetzes insoweit anwenden wollen, um Bewerber mit Migrationshintergrund gleichmäßig über die vielen aneinanderliegenden Gartenkolonien vor Ort zu verteilen. Diese Maßnahme sollte eine ausgeglichene soziale und kulturelle Balance schaffen. „Nachdem uns das Rechtsamt auf die falsche Anwendung hingewiesen hat, haben wir den Passus Ende 2015 wieder von unserer Seite genommen“, sagt Gieseking. Die in der Gartenkolonie lebenden türkischstämmigen Pächter geben indes ein durchaus gemischtes Bild ab. Seit sechs Jahren wohnt Familie Korkumaz in der Gartenanlage, bis auf kleineren Ärger fühlt sie sich in der Kolonie gut integriert. Ganz anders Familie Bektas, die in der Kolonie bereits seit 15 Jahren ihren Garten hat. Die letzten zwei Jahre sei es für sie dort deutlich schlimmer geworden, erzählt der Familienvater. So habe der Sohn in der Kolonie keinen Garten bekommen und der Vorsitzende verhalte sich den türkischen Pächtern gegenüber auch fremdenfeindlich.

Text und Bilder: Daniel Seeger