Unruhe an der Elisabethaue

Anwohner erwirken Baustopp und vermissen Informationen.

Anwohnerbeschwerden haben einen Baustopp in der Elisabethaue bewirkt. Dort sollen Wohncontainer (Tempo-
homes) für 1.000 Flüchtlinge errichtet werden. „Genau an dieser Stelle befanden sich die am höchsten belasteten Rieselfelder“, kritisiert Matthias Glesel. Ohne Baugenehmigung und Information seien Anfang Juni Vermessungsarbeiten durchgeführt, ein Bauzaun gestellt und Planierarbeiten begonnen worden, so der 48-jährige Versicherungsmakler. Martin Pallgen, Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung, weist dies zurück, räumt aber an einigen Stellen „eine erhöhte Belastung mit Schwermetallen“ ein. „Der Standort der jetzigen Tempohomes liegt außerhalb der besonders belasteten Messpunkte“, so Pallgen.

Laut Pankows Stadtrat Torsten Kühne (CDU) aber gab es zum „Zeitpunkt der Maßnahmen, die von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) beauftragt wurden“, keine Baugenehmigung. Weil u.a. ein Artenschutz-Gutachten fehlte, verhängte die Naturschutz-Behörde am 21. Juni einen sofortigen Baustopp.

Anwohner klagt

Laut Christian Breitkreutz, Sprecher der BIM, habe die Senatsverwaltung die Vorarbeiten erlaubt. Wegen geschlossener Baumreihen seien Brutaktivitäten vom 30 bis 40 Meter entfernten Feldlerchenrevier auf der Vorhabenfläche auszuschließen. Inzwischen liegt ein Artenschutz-Gutachten vor. So konnte der Baustopp zum 1. Juli aufgehoben werden. Doch für Glesel ist die Sache damit nicht erledigt: „Zusätzlich wurden durch Baggerarbeiten Asbestbetonrohre beschädigt. Diese Rohre durchziehen die Aue ab bereits 40 Zentimetern unter der Erdoberfläche.“ Der Asbest sei weder vorschriftsgemäß entsorgt noch Vorschriften des Arbeitsschutzes eingehalten worden, behauptet Glesel. Die Senatsverwaltung kündigt eine Altlasten- und Schadstoffuntersuchung in den nächsten zwölf Monaten an, um den aktuellen Belastungs- und Gefährdungsstand zu ermitteln, etwa wie tief Belastungsstoffe gesickert sind. Am 19. Juli verhandelt das Verwaltungsgericht die Klage eines Anwohners. Bis dahin darf theoretisch gebaut werden.

Im Unklaren

Glesels größter Vorwurf aber betrifft die Informationspolitik von Senat und Bezirk, „die alle Anwohner im Unklaren lässt“. Bei einer Bebauung müssten die verzweigten Rohrsysteme entfernt werden. „Die Kosten bei etwa 80 Hektar sind unvorstellbar“, so Glesel. Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) entgegnet: „Bei umstrittenen Bauvorhaben wird oft versucht, diese mit allen Mitteln zu verhindern. Dies führt manchmal zu Verzögerungen, in ganz seltenen Fällen auch zur tatsächlichen Verhinderung. Sowohl die Flüchtlingsunterkunft und die anschließend geplante Bebauung der Elisabethaue sind in der Nachbarschaft umstritten, was vermutlich an einem anderen Ort nicht anders wäre.“

Hintergrund

Das Tempohome für Flüchtlinge sorgt für Diskussionsbedarf in Französisch Buchholz: Ein CDU-Antrag zur sofortigen Einberufung einer Informationsveranstaltung aber fand im Bezirksparlament keine Mehrheit. „Keine Dringlichkeit”, hieß es. In der Einwohnerfragestunde hatte Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) zuvor die Sorge von Ramona Sauer vor zu vielen alleinstehenden jungen Männern in der neuen Flüchtlingsunterkunft mit den Worten gekontert: „Bei den Ereignissen in Deutschland müssen wir uns eher fragen, wer hier vor wem geschützt werden muss!”

Text+Bild: Michael Hielscher