Einsturzgefahr für 22 Wohnungen

Aufsichtsamt sperrt ein gefährdetes Mietshaus in Wilhelmstadt.

Zentimeterbreite Risse in den Wänden, klemmende Fenster, schiefe Fußböden, mit einem Gefälle von sieben Zentimetern. Das sind nur drei Beispiele für den Zustand der vermieteten Eigentumswohnungen in der Melanchthon- und Weverstraße in Wilhelmstadt. Vor zwei Wochen teilte die Bau- und Wohnungsaufsicht Spandau den 22 Mietparteien mit, dass sie innerhalb von sechs Wochen ausziehen müssen – Einsturzgefahr! Bei Widerstand drohen pro Wohnung 1.000 Euro Strafe. Was war passiert? Ein Teil der Eichenpfähle, auf denen die denkmalgeschützte Wohnanlage gebaut ist, sind morsch. Die betroffenen Wohnflügel haben sich dadurch gesenkt. Die Mieter haben die Verwaltung regelmäßig auf Baumängel hingewiesen, aber die Inhouse GmbH hat nie reagiert. Als sich immer mehr Schäden offenbarten, wandten sich die Bewohner an die Bauaufsicht. Nach Begehungen und statischen Messungen kam dann die Hiobsbotschaft für die Mieter: Alle müssen raus!

Schlimmer Zustand

„2004/2005 wurden die Gebäude grundsaniert, als sie noch der Adamshof GmbH gehörten. Schon damals soll es Probleme gegeben haben. Die Frage ist, ob da alles korrekt gelaufen ist und ob die jetzige Verwaltung von den Mängeln wusste“, sagt Mieter Martin Preller. Und ob die Eigentümer beim Kauf der einzelnen Wohnungen über deren Zustand informiert waren, ist fraglich. Fassungslosigkeit, Wut und Angst herrscht unter den Mietern. „Wir leiden schon unter Schlaf- und Appetitlosigkeit. Wie sollen denn die älteren und kranken Nachbarn eine neue Wohnung suchen und Umzug organisieren und finanzieren“, sagt Simone Porwich. „Wir sind alle eng zusammengerückt und helfen uns gegenseitig, so gut es eben geht“, sagt Joachim Liebsch mit Tränen in den Augen. Sein Schlafzimmer wurde vom Amt sofort gesperrt.

Finanzielle Hilfe

Letzte Woche gab es ein Treffen der Mieter mit Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD). „Wir haben die Gewobag und die Deutsche Wohnen um Hilfe gebeten, auch private Wohnungsangebote laufen ein. Wenn es tatsächlich zu einem Engpass kommen sollte, kann das Sozialamt für eine vorübergehende Unterbringung sorgen“, sagt Helmut Kleebank. „Wir bitten die Mieter, an uns heranzutreten.“ Finanzielle Hilfe kann er nicht zusagen. In Einzelfällen könne dies geprüft werden. Helmut Kleebank stellt klar, dass sich die Verwaltung im Mietvertrag verpflichtet habe, für Wohnraum zu sorgen. Sie sei der erste Ansprechpartner.

Kein Gesprächsbedarf

Noch am gleichen Tag, als das Problem offiziell wurde, reagierte der CDU-Abgeordnete Matthias Brauner. Er wandte sich mit der Bitte um Unterstützung ebenfalls an die Gewobag. die der von mehreren Mietern beauftragten Rechtsanwältin Manuela Krahl-Röhnisch Exposés für Wohnungen im weiteren Umfeld zugehen ließ. „Wir sind rechtsschutzversichert und können uns die hervorragende Anwältin leisten, aber was machen die anderen? Ich empfinde nur noch Wut und Ohnmacht“, sagt Martin Preller. Ein Treffen mit der Verwaltung in dieser Woche blieb an der Oberfläche. „Man versuchte, uns Mieter wieder hinzuhalten. Es soll ein Eigentümertreffen wegen einer Sanierung einberufen werden und die Verwaltung will gegen den Räumungsbeschluss vorgehen – so ein Unsinn“, fasste Martin Preller zusammen. Die Inhouse GmbH war für das Berliner Abendblatt nicht zu sprechen.

Text & Bild: Anke Walter