Streit um Straßenkunst

Kultur: Wird das geplante Museum for Urban Contemporary Art ein Fremdkörper
im Kiez – oder setzt es künstlerisches Potenzial frei?

Mitte 2017 soll das Museum for Urban Contemporary Art der Künstlerplattform Urban Nation an der Bülowstraße eröffnen. Als Museumsdirektorin fungiert die renommierte Galeristin Yasha Young, die fast 200 Künstler für das Street Art-Museum gewinnen konnte. Doch nicht jedem im Bezirk gefällt das Vorhaben. Als eine „wundersame Metamorphose von Wohnraum in ein Museum“ bezeichnen Politiker der Linken und der „Politik ohne Partei“ (PoP) das Vorhaben.

Kritik der Linken

„Wir freuen uns über Street-Art und finden die Idee, ein Museum zu etablieren, grundsätzlich sympathisch. Zum Objekt in der Bülowstraße 7 gibt es allerdings doch einiges Fragwürdiges“, meint der Bezirksverordnete Harald Gindra (Linke). Zwar wird für das Museum kein Wohnraum umgewandelt, wie Gindra ursprünglich befürchtet hatte, dennoch sieht der Bezirkspolitiker das Projekt mit seiner Vorgeschichte und seinen konkreten Plänen kritisch. Die Wohnungen in dem Haus, von dessen Fassade ein riesiges Graffiti-Kunstwerk prangt, seien nach ihrer Räumung im April 2014 nicht mehr vermietet worden. Die Wohnungsgesellschaft Gewobag, deren Stiftung „Berliner Leben“ die Plattform „Urban Nation“ 2013 ins Leben rief und folglich auch an dem Museum maßgeblich beteiligt ist, hätte ihre Pläne für das Gebäude danach allerdings nie offengelegt. „Im Mai 2016 fand dann plötzlich die feierliche Verkündigung des Baubeginns mit Staatssekretär Renner und anderen Kulturpolitikern statt“, wundert sich Gindra. Neben dem Wohnungsleerstand und der Intransparenz ist Gindra zudem die mangelhafte Anbindung des Museums an die bezirklichen Kulturschaffenden und Kulturszene ein Dorn im Auge.

Die Machern des Projekts weisen die Kritik entschieden zurück. Das Museum sei international ausgerichtet und verstehe sich als Plattform für Künstler aus aller Welt, sagt Gewobag-Sprecherin Josiette Honnef. „Hierzu zählen selbstverständlich auch Künstler aus Berlin. Welche Künstler für Ausstellungen und Projekte ausgewählt werden, hängt nicht von Nationalität oder Herkunft ab, sondern wird nach einer Reihe von künstlerischen Kriterien ausgewählt.“ Das Museum bewahre nicht nur die vergängliche Kunst der Straße, sondern könne auch Besucher und Anwohner zum Nachdenken anregen. Zudem würden die geplanten Workshops die Kommunikation unter den Nachbarn fördern. Auch Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) sieht in dem Vorhaben einen „interessanten Punkt für die Entwicklung des Kiezes, touristisch und kulturell.“

Philip Aubreville, Bild: Benjamin Pritzkuleit