Endlich Sommer im Strandbad Tegel

Strandbad Tegeler See: Wieder Ausnahme-Öffnung, aber weiterhin sanierungsbedürftig und mit unsicherer Zukunft.

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Morgendliche Ruhe vor dem Sturm der Badelustigen

Tegel hat es allen Unkenrufen zum Trotz wieder geschafft: Sein Strandbad am Tegeler See ist seit einer Woche offen – und bleibt es bis zum 4. September! Kurz vor Eröffnung sind Badleiter Bernhard Rathenow und Kassierer Torsten Funke bei letzten Ausbesserungsarbeiten am Steg. „Die Ruhe vor dem Sturm“, scherzen sie. Sturm! – das wäre schön. Doch viele wissen gar nicht, dass das Bad offen ist. Es gibt keinerlei Werbung, lediglich die Standard-Infos auf der Website der Berliner Bäderbetriebe (BBB). Rathenow und sein achtköpfiges Team wünschen sich mehr Aufmerksamkeit für ihr wunderschön gelegenes Bad. In letzter Zeit waren es eher Negativschlagzeilen: Sanierung und Unterhalt zu teuer, zu wenig Besucher, keine direkte Busanbindung, knappe Parkplätze …

Keine Priorität

Eine endlose Zitterpartie schon seit Jahren, die auch dank der Aktivitäten etlicher Bezirkspolitiker jetzt in eine zweimonatige „Notöffnung“ mündete. Doch Zusagen auf eine dauerhaft gesicherte Zukunft gibt es nicht. Privatpächter, wie bei anderen Berliner Bädern, wären eine Lösung. Doch wer wollte die zwei Millionen Euro schwere Sanierung stemmen? Für die Bäderbetriebe hat das Tegeler Bad keine Priorität. „Wir schieben einen Sanierungsstau von 93 Millionen vor uns her. Jährlich haben wir lediglich sechs Millionen für Sanierung und Instandhaltung zur Verfügung“, erklärt BBB-Sprecher Matthias Oloew. Da müsse man gut überlegen, wohin das Geld fließt. Vorrang haben in jedem Fall die Schwimmhallen, weil hier Schul- und Vereinssport stattfinden; es folgen die gefliesten Sommerbäder mit beheizbaren Becken und deshalb längerer Saison. Da seien zwei Millionen Euro allein für Tegels Strandbad-Sanierung nicht drin. Zumal im Vorjahr lediglich 22.000 Besucher dorthin kamen. Ein umstrittenes Argument, denn ein Bad, das nur zwei Monate öffnet, ist klar benachteiligt gegenüber anderen, die fast doppelt so lange zum Baden laden.

Rathenow leitet das Bad seit 2011. Er sieht die Sache entspannt. Dennoch ärgert er sich über allzu robuste Umweltauflagen und manchen Fakt, der das Bad öffentlich zerredet. „Klar, zwei Millionen sind eine Menge Geld“, sagt er. Allerdings flössen die Mittel ja nicht allein in das marode Rohrleitungssystem, sondern auch in die charmant-sanierungsbedürftigen Sanitär- und Umkleidegebäude. Auch wenn der Hickhack weiter geht: „Die Leute werden kommen“, ist sich Rathenow sicher. „Natur pur, schöner Strand, große Wiese, – das bietet kein Hallenbad.“ Dann bugsieren sie die letzten Strandkörbe ans Wasser. Bereit für diese Saison.

Text & Bilder: Jürgen Zweigert