Mathe-Genie mit Medaillenrechnung

Wettkampf: Abiturient Branko Juran fliegt zur Mathe-Olympiade.

Noch ist Branko Juran gelassen: Erst am 7. Juli fliegt er nach Hongkong. Eine Woche lang messen dort die besten U-20-Mathematiker der Welt bei ihrer eigenen Olympiade ihre Gehirnzellen. 600 Köpfe geballte Intelligenz, sechs davon aus Deutschland. Die Jugendlichen gehen mit Algebra und Geometrie, Zahlentheorie und Kombinatorik so um, wie Normalsterbliche mit dem Einmaleins. „Es wird schwer“, sagt Branko. „Klar gebe ich mein Bestes, aber zu viel Druck mache ich mir nicht.“ Eine Medaille habe er schon auf der Rechnung, fügt er lächelnd hinzu.

Der 17-Jährige ist Abiturient und zugleich Schulsprecher am Heinrich-Hertz-Gymnasium in Friedrichshain. Ein weiter Schulweg vom heimatlichen Blankenburg, doch die auf Mathematik und Naturwissenschaften spezialisierte Eliteschule hatte schon zu DDR-Zeiten einen guten Ruf. Sie ist die Schmiede vieler Talente. Deshalb nimmt Branko seit der fünften Klasse die Fahrt in Kauf. Die Eltern förderten die Begabung ihres Sohnes nach Kräften; sein Vater, selbst Mathe-Lehrer, brachte ihn früh in Kontakt mit Experten der Humboldt-Uni. Branko begriff schnell, hatte Spaß an Zahlen, beschäftigte sich stundenlang mit abstrakten Theorien. „Schon bald konnte mir mein Vater nix mehr beibringen“, schmunzelt er.

Die Mühe hat sich gelohnt, denn längst gehört der sympathische Teenager zu den besten deutschen Mathe-Genies. Trotzdem ist er kein verschlossener Nerd, sondern ein vielseitig interessierter junger Mann mit Händchen fürs Abstrahieren sowie einer extrem guten Vorstellungskraft. „Es geht nicht ums Rechnen“, stellt er klar. Rechnen könne schließlich jeder. „Es geht um das Lösen komplexer Probleme, um Beweise und dabei den Ungenauigkeiten möglichst nah zu kommen.“ Klar raucht da oft der Kopf. Abwechslung findet Branko im Klavierspiel – ein Talent, das auch andere Mathe-Genies haben. Seine Zukunftspläne stehen seit Jahren fest: Abi mit 1,0, anschließend ab Herbst 2017 Studium am Bonner Max-Planck-Institut für Mathematik. „Dann geht’s den letzten Geheimnissen der Mathematik zu Leibe“, freut er sich. Wie etwa der Riemann`schen Vermutung und dem Rätsel um die mathematischen Grundfunktionen der Primzahlen. Aber das führe hier zu weit … Viel Erfolg in Hongkong, Branko!

Jürgen Zweigert, Bild: Privat