Bergmännische Tradition – Holzkunst aus Deutschland

Wer kennt nicht die kleinen Rauchmännchen, Schwibbögen oder Weihnachtspyramiden, die jedes Jahr weihnachtliche Stimmung in den Häusern verbreiten. Diese und viele weitere typische Holzkunst aus dem Erzgebirge hat ihren Ursprung im 16. bzw. im 17. Jahrhundert. Die Tradition entstand eher aus der Not heraus und war ein zusätzliches Einkommen. Mittlerweile hat die erzgebirgische Volkskunst die ganze Welt erobert und ist auch in Spielzeugmuseen vor allem in Deutschland zu sehen.

Verdienstmöglichkeit im Winter

Das Erzgebirge ist eine Region, die reich an Bodenschätzen war. Seit dem 12. Jahrhundert wurden in dem Gebiet unterschiedliche Bodenschätze abgebaut, allerdings waren bereits im 16. Jahrhundert viele Vorkommen erschöpft und es konnten kaum mehr neue erschlossen werden. Dies führte dazu, dass es für die vielen Bergmänner immer weniger Arbeit gab. Besonders in den Wintermonaten, in denen zudem oft die Arbeit aufgrund des Wetters eingestellt werden musste, war es für sie besonders hart und es war kaum Geld da. Auf der Suche nach neuen Erwerbsmöglichkeiten stießen sie auf den Rohstoff Holz, der in großen Massen ebenfalls im Erzgebirge verfügbar war.

Im 16. Jahrhundert entwickelten sich erste Produktionsstätten mit Holzschnitzerei bzw. -drechselei und im 17. Jahrhundert kamen Teller- bzw. Spindeldreher hinzu. Anfänglich wurden jedoch überwiegend nur Gebrauchsgegenstände produziert – erst später wurde Spielzeug gefertigt und natürlich auch die typischen Holzfiguren aus dem Erzgebirge, die bis heute für die Volkskunst der Region stehen.

Traditionelles Holzkunsthandwerk

Die “Erzgebirgische Volkskunst” ist ein eingetragener Markenname, den Hersteller von Kunsthandwerksgegenständen und Spielzeug aus dem Erzgebirge verwenden dürfen. Die Liste an Produkten ist lang und ausgehend vom 16. Jahrhundert werden bis heute neue Figuren und Adaptionen der ursprünglichen Figuren entwickelt. Den meisten sind die typischen weihnachtlichen Kunsthandwerksgegenstände bekannt. Rauchmännchen, Weihnachtspyramiden oder Schwibbögen bringen Kinderaugen zum Leuchten. Kleine hölzerne Bergmänner fungieren als Kerzenhalter oder Nussknacker. Daneben gibt es unterschiedliches Räucherzubehör wie Dosen oder Häuschen für Räucherkegel sowie Weihnachtsschmuck und viele weitere dekorative Figuren.

Dadurch, dass für viele das Kunsthandwerk zur Haupteinnahmequelle wurde, gibt es mittlerweile unterschiedliche saisonal angepasste Holzkunstwerke. Neben den Rauchmännchen für den Winter gibt es kleine Häschen in denen zu Ostern Räucherkegel einen Platz finden. Mittlerweile deckt die Volkskunst aus dem Erzgebirge eine Vielzahl von saisonalen Ereignissen ab und das Angebot an Spielzeug wird stetig erweitert – was jedoch nach wie vor gleich geblieben ist, dass alle Kunstwerke und das Spielzeug aus Holz gefertigt sind.

Holzkunst im Museum

Nicht nur in vielen Häusern sind die in mühevoller Handarbeit gefertigten Gegenstände zu finden, sie sind auch in den Spielzeugmuseen vor allem in Deutschland zu finden. Das größte Museum dieser Art befindet sich in Seiffen im Erzgebirge. Das Erzgebirgische Spielzeugmuseum Seiffen wurde im Jahre 1953 eröffnet und ist ein Freilichtmuseum, dass mittlerweile 14 verschiedene Gebäude umfasst. Die Gebäude zeigen nicht nur die typische Bauweise in der Region, in den Innenräumen ist die Volkskunst aus dem Erzgebirge ausgestellt. Das Spielzeugmuseum zeigt einen Abriss der Entwicklung des Kunsthandwerkes im Erzgebirge – die ältesten Exponate sind aus der Zeit um 1800. Besonders interessant sind die Exponate von bestimmten Künstlern, die ihren Figuren durch ihren eigenen Stil neues Leben eingehaucht haben.

Zu einem großen Freilichtmuseum werden speziell während der Weihnachtszeit die Orte im Herzen des Erzgebirges selbst. Riesige Weihnachtspyramiden werden auf öffentlichen Plätzen aufgestellt, es gibt Vorführungen und Kurse bei denen gezeigt wird, wie die Figuren geschnitzt bzw. gedrechselt werden. Auf den Weihnachtsmärkten im Erzgebirge werden das typische Spielzeug und die weihnachtliche Dekoration dann auch zum Kauf angeboten.

red / Bild: © www.erzgebirge-palast.de