Elternsprecher tadelt Senat und Bezirk

Weil die Verwaltung nicht effektiv zusammenarbeitet, haben Kinder lange Schulweg.

Pankow wächst, doch die Zahl seiner Schulplätze wächst nicht schnell genug mit. Pankow bräuchte sofort 25 neue Schulen, sagt die Verwaltung. Elternsprecher Oliver Görs glaubt eher an 30 bis 40 Schulen, die fehlen. Das hat Folgen: Pankow schafft es nicht mehr, allen seinen Fünft- und Siebtklässlern einen Oberschul- oder Gymnasiumsplatz im eigenen Bezirk anzubieten. 56 sollen nach den Ferien außerhalb lernen. „Wir haben uns bemüht, die Schüler nicht irgendwo in Berlin, sondern in Nachbarbezirke zu vermitteln“, beschwichtigt Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD). Doch allein 18 Schüler müssen nach Marzahn-Hellersdorf, ans Sartre-Gymnasium. Also kein Nachbarbezirk!

Schlecht koordiniert

Unser Schwesterblatt Berliner Zeitung berichtet vom elfjährigen Mostafa, der von seiner Wohnung nahe dem Thälmannpark bis zu seiner neuen Schule mindestens 50 Minuten mit S-Bahn und Straßenbahn unterwegs wäre. Ob der Widerspruch seiner Eltern dies noch verhindern kann, ist fraglich. Und es betrifft Schüler aus dem gesamten Bezirk, bestätigt die Stadträtin. Besondere Brennpunkte seien ihr nicht bekannt. Warum aber muten Berlin und der Bezirk den Kindern und Eltern solche Schulwege zu? Was läuft schief, obwohl Senat und Bezirk die Schulentwicklung planen? „Genau da liegt das Problem“, sagt Oliver Görs, Vizevorsitzender im Bezirkselternausschuss Pankow. „Beide Verwaltungen arbeiten nicht richtig zusammen“, ist er überzeugt. Wenn im Herbst die Anmeldezahlen für das nächste Schuljahr vorliegen, bleibe ein Dreivierteljahr, alles vorab vieles besser zu lösen. „Doch wir erleben ständig Aktionismus, weil sich Senat und Bezirk nicht abstimmen und beide von unterschiedlichen Zahlen ausgehen.“ Görs vermisst ein tragfähiges Konzept, wie es bis 2021 weitergehen soll. Es geht um mehr Schulklassen, Schulbauten und Lehrer.

Kurze Wege

Der Elternausschuss setzt sich dafür ein, dass nicht nur Grundschulkinder ein Recht darauf haben, eine Schule wohnortnah zu besuchen. Görs: „Fünft- und Sechstklässler, die ans Gymnasium wechseln, sind auch nicht älter als ihre Altersgenossen in der Grundschule. Wir fordern, dass unabhängig von der Schulform gilt: ,Kurze Wege für kurze Beine!‘“ 843 Schüler mehr als im Vorjahr sind in Pankow fürs kommende Jahr gemeldet. Das neue Gymnasium am Europasportpark, Conrad-Blenkle-Straße in Prenzlauer Berg, war sofort ausgebucht. Je eine zusätzliche Klasse wird es an der Hufeland-Schule in Buch sowie an der Klecks-, Mendel-, Wolkenstein-, Rudolf-Dörrier-Grundschule und der Schule „Am Wasserturm“ geben.

Michael Hielscher, Bild: imago/Rüdiger Wölk