Festival der Unsicherheiten

Festspiele: Foreign Affairs reagieren auf zunehmende Unsicherheiten
im politischen, gesellschaftlichen und privat-künstlerischen Leben.

Vom 5. bis 17. Juli präsentieren die Berliner Festspiele zum fünften Mal das internationale Performing Arts Festival Foreign Affairs. Ausgehend von der Zusammenarbeit mit dem diesjährigen Focus-Künstler William Kentridge hat der künstlerische Leiter Matthias von Hartz internationale Künstler eingeladen, Projekte zum Themenfeld „Uncertainty“ (Unsicherheit) zu entwickeln – für die Bühne, den urbanen Raum und eine Nachtausstellung im Haus der Festspiele.

Großes Werk

CR_LVS_S2_ZitatbildWilliam Kentridge, der südafrikanische Zeichner, Filmemacher, Performer und Regisseur, spricht von Unsicherheit (uncertainty) und Vorläufigkeit (provisionality), wenn er seine Arbeitsweise im Studio und seinen Blick auf die Welt beschreibt. Die Berliner Festspiele präsentieren das transdisziplinäre Werk des Künstlers erstmals in einer Verbindung seines bildnerischen Schaffens und seiner performativen Arbeiten im Rahmen von Foreign Affairs im Martin-Gropius-Bau. Gezeigt werden „Paper Music – Ein Ciné-Concert“ (5. und 6. Juli), „Drawing Lessons“ (8. und 9. Juli), „Refuse the Hour“ (9. und 10. Juli), „Die Winterreise“ (13. Juli) und „Ubu and the Truth Commision“ (13. und 14. Juli). In einigen Performances steht William Kentridge selbst auf der Bühne. Die großflächige Videoprojektion „More Sweetly Play the Dance“ von William Kentridge ist sowohl im Martin-Gropius-Bau als auch an der Fassade des Festspielhauses zu erleben, wo sie das Entrée zur Nachtausstellung „Uncertain Places“ bildet, die vom 5. bis 15. Juli, jeweils von 22 Uhr bis 1 Uhr, das Haus der Berliner Festspiele mit Installationen und Live-Performances bespielt. In „This Is Offal“ operieren Mary Reid Kelley und Patrick Kelley live in der Kassenhalle. Dries Verhoeven konfrontiert die Besucher in der Videoinstallation „Guilty Landscapes – episode II“ mit dem Verhältnis zwischen unbehaglichen Nachrichtenbildern und den Blicken ihrer Betrachter. Die Choreografin Nelisiwe Xaba sucht in „Urban Mermaid“ nach Wasserspenden für ein urbanes Zwitterwesen aus den künstlichen Gewässern Johannesburgs.

Hitzige Musikalität

Zur Eröffnung widmet sich Alain Platels Musiktheaterinszenierung „En avant, marche!“ (5 und 6. Juli) auf der großen Bühne des Festspielhauses auf poetische Weise dem Abschied eines gealterten Musikers von seinem Orchester. Gemeinsam mit dem Regisseur Frank Van Laecke und dem Komponisten Steven Prengels beleuchtet Choreograf Alain Platel die Blaskapelle als Mikrokosmos der Gesellschaft. Das Herzstück des Berliner Abends bildet neben vier Schauspielern des NT Gent die hitzige Musikalität der Zentralkapelle Berlin, die durch ihren einzigartigen Sound Werke von Mahler, Verdi, Strauß und anderen Komponisten neu hörbar macht. Auch außerhalb der Nachtausstellung stellen Künstler Fragen an die Dunkelheit: Der Pulp-Frontmann Jarvis Cocker macht seit Jahren auf BBC4 eine Latenight-Radio-Sendung. Bei Foreign Affairs (12. Juli) lädt er gemeinsam mit über 60 Musikern des Jungen Sinfonieorchesters Berlin zu Geschichten über Menschen und Musik bei Nacht ein: „Sleepless Nights“.

Höhepunkte

Johannes Paul Raether

Auch Johannes Paul Raether, der für seine künstlerische und para-wissenschaftliche Arbeit eine „Herde” von farbigen Forschungs-Drag-Avataras entwickelt hat, taucht an verschiedenen Momenten des Festivals auf: Mit „Protektoramae – Forking Horizon 5.5.5.1–X” knüpft der Künstler an ein Foreign-Affairs-Projekt aus dem Jahr 2013 an.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.johannespaulraether.net

Needcompany

Die Needcompany setzt in „The blind poet” (15.7.) der anerkannten Geschichtsschreibung persönliche Geschichten entgegen: Der Abend der belgischen Gruppe um Jan Lauwers zitiert die Schriften des arabischen Poeten Abu l-’Ala al-Ma’arri (973-1057) und Wallada bint al Mustakfis, einem andalusischen Dichter aus dem 11. Jahrhundert.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.needcompany.org

Nature Theater

Das Nature Theater of Oklahoma kehrt für ein weiteres großes Projekt nach Berlin zurück: Mit einem Team aus Laiendarstellern drehen die New Yorker über den gesamten Festivalzeitraum hinweg an zahlreichen interessanten Orten der Stadt den Science-Fiction-Film „Germany Year 2071″.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.oktheater.org

Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.berlinerfestspiele.de
Tel.: (030) 25 48 91 00

red., Bilder: Phile Deprez, Johannes Paul Reather, Maarten Vanden, Mbali Mthethwa