Senat halbiert Bauzeit von Schulen

Bildung: Trotz rasant steigender Schülerzahlen warnen Bezirkspolitiker vor überhasteten Planungen.

Es wird eng an Berlins Schulen: Bis 2025 rechnet der Senat mit 86.000 Schülern mehr – das ist ein Anstieg um mehr als 25 Prozent. Für dieses rasante Wachstum werden mehr als 70 neue Schulen benötigt. Ein Mammut-Projekt: Denn von der Planung bis zur fertigen Schule dauert es in der Regel acht bis zehn Jahre. Jetzt hat der Senat das Problem erkannt, verspricht diese Zeiträume zu halbieren. Eine neu eingerichtete „Taskforce Schulbau“ soll das gewährleisten. Darüber hinaus werden Schulgebäude-Scans in allen Bezirken den tatsächlichen Sanierungsbedarf ermitteln. Bis 2019 fließen rund 1,4 Milliarden Euro in den Bau zusätzlicher Schulplätze, auch für den Bau mobiler Einrichtungen. Treptow-Köpenick liegt im Schülerzahlen-Ranking der zwölf Bezirke zwar erst auf Platz 9 – doch auch hier gibt es rasanten Zuwachs. „In den Grundschulen liegen wir zum nächsten Schuljahr bei 10.600 Kindern, 2020/21 werden es 12.100 sein“, sagt Karin Zehrer (SPD), Vorsitzende des BVV-Schulausschusses. Der Anstieg resultiere vor allem aus Zuwanderung, die „glücklicherweise aus einer alternden Stadt eine wachsende Stadt“ mache. Gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) sieht sie die Halbierung der Planungs- und Bauzeiten für Schulbauten skeptisch: „Natürlich müssen wir diese Prozesse dringend verkürzen, doch um die Hälfte wäre zu pauschal und zu einfach“, warnt Igel. „Ein qualitativ guter Bau braucht nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Strafft man die Planungen zu stark, rächt sich dies im schlimmsten Fall später – etwa bei Klagen aufgrund strittiger Bauvergaben und von Baumängeln.“ Zehrer: „Die zentrale Steuerung kann den Schulneubau beschleunigen. Aber für Unterhalt, Betrieb, kurze Wege für Kinder und Eltern wäre das mit Sicherheit problematisch.“ Der Bezirk hat vorgesorgt und kann das nächste Jahr mit eigenen Schulplätzen bewältigen. Allerdings wird er erstmals keine Plätze an andere Bezirke abgeben können. Igel verweist auf den geplanten Schulneubau im Entwicklungsgebiet Adlershof: „Hier entsteht für 60 Millionen Euro ein neuer Campus. Wir wollen auch eine Gemeinschaftsschule.“ Im Vorjahr wurde in Altglienicke der Ergänzungsbau der Schule am Berg fertig. An drei weiteren Schulen sind Modulare Ergänzungsbauten geplant. „Doch das reicht nicht angesichts der Prognosen“, sagt Igel.

Jürgen Zweigert