Verdichten ja, aber seniorengerecht

Wahlkampf: Wie halten es Pankower Kandidaten mit ihrer Politik für Ältere?

Gar nicht still in der Stillen Straße 10: Der Pankower Seniorenverein will’s genauer wissen, wie es die Parteien mit ihrer Politik für Ältere halten. Im Podium ihres Kulturraums saßen an diesem Juniabend die Bürgermeisterkandidaten Jens-Holger Kirchner (Bündnis 90/Grüne) und Sören Benn (Die Linke) sowie die Bezirkspolitiker Dr. Manja Schreiner (CDU) und Gregor Kijora (SPD). Parteiübergreifend waren sich alle vier darin einig, dass eine alten- und altersgerechte Infrastruktur A und O jeder Seniorenpolitik sein müsse. Wohnungen, vor allem bezahlbar und seniorengerecht sind; auf zunehmend häusliche Pflege eingestellte Wohnstrukturen; spezielle Dienstleistungen für Ältere; mehr Teilhabe durch größere Mobilität zu Hause und in einem barrierefreien Stadtraum – dies seien dabei die größten Herausforderungen. Ungeduldiges Scharren im Raum, denn neu ist das alles nicht. „Nicht reden – machen!“, murmelt jemand.

BM Kandidaten Stille Straße Juni 2016 Bürgermeister

Die Senioren aus der Stillen Straße fühlten den Kandidaten auf den Zahn

Und eigentlich müssten dafür doch längst beschlossene Konzepte greifen. Natürlich habe man diese, sagt Stadtrat Kirchner. Doch mit dem Wachstum der Stadt stelle sich vieles in neuer Dimension dar. Auch Pankow knabbere noch heute an den Sünden einer jahrelang „auf Verschleiß gefahrenen“ Infrastruktur. „Wir dürfen den Fokus nicht allein auf die Neubaugebiete außen legen, sondern auch die seniorengerechte Sanierung der Wohnungen in den inneren Kiezen stärker anpacken“, sagt er. Sören Benn schließt an: „Je größer die Stadt wird, desto intelligenter muss man bauen. Verdichtung erfordert eine mitwachsende Infrastruktur.“ Auch Gregor Kijora will die Verdichtung mehr steuern: „Nicht so viel wie möglich bauen, sondern so viel wie nötig.“

Viel Einigkeit

Nur bei Mieten und Eigentum werden größere Differenzen sichtbar: Während die CDU mehr Eigentum will, wenden die anderen Parteien ein, steigende Mieten und Wohnungskauf dürften nicht dazu führen, dass Mieter aus bezahlbaren Wohnungen vertrieben werden. Die Ankündigung des Senats, weitere landeseigene Wohnungsbaugesellschaften zu gründen und Genossenschaften stärker zu unterstützen, sei der richtige Weg, um Wohnungen auch für Senioren bezahlbar zu halten. Skeptischen, teils ratlosen Blicks verlassen die Senioren die Veranstaltung. Zu viele Fragen sind in der Kürze der Zeit offen geblieben – wie auch die Antwort darauf, welcher wohl ihr liebster Bürgermeisterkandidat wäre. Rona Tietje (SPD) und Torsten Kühne (CDU) waren an diesem Abend verhindert.

Text & Bilder: Jürgen Zweigert