Bewegte Geschichte eines Stadtteils

Film: Menschen des 21. Jahrhunderts in der Lichtenberger Viktoriastadt.

Bei der zweiten Film-Veranstaltung im Studio Bildende Kunst, John-Sieg-Straße 13, wird am 16. Juni, 19 Uhr, der Regisseur Johannes Kochs vorgestellt. Geboren in Köln, Studium der Bildenden Kunst in Den Haag und Enschede und der Germanistik in Berlin, lebt er als freischaffender Filmemacher in Lichtenberg, in der Viktoriastadt. Sein im Jahr 2007 auf 16mm gedrehter Film streift Aspekte der bewegten Geschichte des Stadtteils, vom „Zille-Kiez“ bis zu den Straßenkämpfen in den 90er Jahren und dem folgenden Senatsprogramm, das Stichwortgeber für eine Umgestaltung wurde. Diesen spürt der Regisseur in vielen Gesprächen mit den im Stadtteil Tätigen nach. In seinem Porträt der Anwohner wird dabei an die photographischen Menschenstudien von August Sander aus den 20er Jahren erinnert.

Schwingende Balance

Der Filmkritiker Peter Nau schreibt unter der Überschrift „Lichtenberg“ in seinem Buch über Berlin-Filme (Peter Nau, Irgendwo in Berlin. Ostwestlicher Filmdiwan, Berlin 2013, S. 69-70) über den Film: „Innerhalb von Lichtenberg, einem der ärmeren Berliner Stadtteile, in dem immer wieder Dramen die idyllische Ruhe unterbrechen, liegt die circa 3.000 Einwohner zählende Victoriastadt. Als ihr Chronist tritt überraschenderweise Johannes Kochs, bildender Künstler und profunder Kenner der Kinogeschichte, mit einem 45-Minuten-Film auf den Plan, der diese seltsame dörfliche Stadtlandschaft in ein dichtes, sehr spezifisches Lokalkolorit taucht. Es gehört zu den Vorzügen dieses kurzweiligen, sich in schwingender Balance haltenden, ohne Musikverwendung musikalischen Films, dass er verdeckt auch dieses Imaginäre enthält, einerseits im Fluidum der impressionistischen Außenaufnahmen, dann aber auch in den Gruppen- und Einzelporträts seiner Menschen des 21. Jahrhunderts, allesamt ansässig in der Victoriastadt. Im Anschluss an die Filmvorführung gibt es ein Gespräch mit dem Filmemacher Johannes Kochs.

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.kulturring.berlin

red, Bild: Johannes Kochs