Stinkender Müll schonend entsorgt

Umweltdienstleister schließt Lücke in Geruchskette seiner Reinickendorfer MPS-Anlage.

Hängen die Wolken tief, stinkt’s manchmal an der Flottenstraße. Im Reinickendorfer Industrierevier siedeln viele Unternehmen – darunter eine Aluminiumschmelze, eine Schoko-Fabrik, eine Großbäckerei und die Anlage für Mechanisch-Physikalische Stabilisierung (MPS), betrieben vom Rohstoffversorger ALBA und der Stadtreinigung. Süße Düfte mischen sich mit störendem Müllgeruch und vermiesen Anwohnern bei seltenen Wetterlagen das Gartenidyll. Etwa 200 sind betroffen. Viele haben die Nase voll, sammelten Unterschriften und beschwerten sich bei ALBA. Der örtliche CDU-Abgeordnete Burkhard Dregger nahm sich der Sache an; die Senatsumweltverwaltung bestätigte, dass die MPS als eine Geruchsquelle in Betracht käme.

Nichts verbrennt

Die Beseitigung des Wohlstandsmülls ist eine aufwändige Sache. In der Regel wird der Abfall verbrannt. Doch in der 2005 errichteten MPS-Anlage verbrennt nichts. Hier wird der Hausmüll mechanisch getrennt, getrocknet, geschreddert und sortiert. Das erledigen die 40 Mitarbeiter rund um die Uhr, wöchentlich 3.500 Tonnen von etwa 500.000 Menschen; rund 170.000 Tonnen im Jahr. Der größte Teil wird zu Pellets verarbeitet – ein begehrter Ersatzbrennstoff in Kraftwerken und der Zementproduktion; Sand, Glas und Steine gehen in die Bauindustrie. Zudem wird Kohlendioxid in großen Mengen eingespart.Andreas Wendt, Geschäftsführer der MPS Betriebsführungsgesellschaft mbH ist sichtlich stolz auf das weltweit begehrte Knowhow einer innovativen ALBA-Recyclingtechnologie. Ihn beschäftigen die aktuellen Geruchs-Probleme: „Die Abluft durchläuft viele verschiedene Filter und eine thermische Oxidation, bevor sie sauber in die Atmosphäre entweicht“, erklärt er. In den Hallen herrscht Unterdruck, die Luft bleibt vor Ort. Erst nach hermetischer Verriegelung der zwei Zufahrtsschleusen entledigen sich die Müllkipper ihrer Fracht.

In Arbeit

Eigentlich ein geschlossener Kreislauf nach neuester Technik – doch offensichtlich mit Lücken. „Das Problem hatten wir bereits in Arbeit, bevor die Eingaben kamen. Wir haben die Ursache identifiziert und sind dabei, sie einer gesonderten Behandlung zu unterziehen“, sagt Wendt. Den Geruch verursachen langkettige Kohlenstoffverbindungen, die durch die Gewebefilter „rutschen“ und in die Abluft gelangen. Ihr Anteil hängt ab von der wechselnden Zusammensetzung des Mülls – mehr Bioabfälle im Sommer und rund um die Feiertage. Ein Ingenieurbüro erarbeitet eine Lösung zur weiteren Filtrierung und Optimierung des Abgasstroms. „Das geschieht noch in diesem Jahr“, ist Wendt zuversichtlich.

Jürgen Zweigert, Bild: Alba Group