Boulevard Berlin greift durch

Jugendliche: Neues Centermanagement will wieder für Ordnung sorgen.

Die mediale Aufregung war groß. „Seit einiger Zeit [kommt es] im Einkaufszentrum Boulevard Berlin an der Schloßstraße in Steglitz zu Pöbeleien oder sexuellen Belästigungen gegenüber Kunden des Einkaufszentrums“, schrieb die Berliner Morgenpost und berief sich auf Dokumente. Mehrere Dutzend Jugendliche größtenteils mit Migrationshintergrund würden sich in dem Einkaufszentrum regelmäßig treffen und aufhalten. Sogar überregionale Medien wie der Focus griffen die angeblichen Geschehnisse im Steglitzer Einkaufszentrum auf.

Stippvisite im Center

Die Senatsverwaltung und der Bezirk reagierten auf die Berichte. Justizsenator Thomas Heilmann, die Abgeordnete Cornelia Seibeld und die Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (alle drei CDU) verschafften sich vergangene Woche vor Ort ein Bild von der Situation. Nach Gesprächen mit dem Centermanagement, den Händlern und der Polizei relativieren die Stadt- und Bezirksoberen jetzt die Situation deutlich. „In dem Einkaufszentrum hat es keine sexuellen Übergriffe gegeben“, sagt Bezirksstadträtin Richter dem Berliner Abendblatt.

Allerdings sei es schon vor den Berichten tatsächlich zu einem Vorfall gekommen, bei dem die Polizei eingreifen musste, nachdem sich Jugendliche gegen den Platzverweis zum Teil tätlich gewehrt hatten. Abgeordnete Seibeld sieht in der Eskalation eher eine Trotzreaktion gegen die verschärfte Sicherheitslinie. Durch den Wechsel des Centermanagements habe sich die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsdienst und der Polizei verbessert, seitdem werde schneller auf solche Vorkommnisse reagiert. „Die Geschehnisse müssen ernst genommen und den Jugendlichen die Grenzen aufgezeigt werden“, erklärt die Bezirksstadträtin. In das gleiche Horn stößt auch der Justizsenator Heilmann, der auf Facebook die härtere Gangart des Centermanagements gegen „randalierenden Jugendlichen“ lobt. Die Politiker setzen dabei auch auf die engere Zusammenarbeit des Centermanagements mit der angrenzenden Oberschule.

Probleme mit Jugendlichen sind nicht neu

„Ob sich die negativ aufgefallenen Jugendlichen künftig einen anderen Treffpunkt in der Schlossstraße suchen, bleibt abzuwarten“, sagt Richter-Kotowski. Die zugespitzte Situation im Boulevard Berlin ist für den Bezirk keineswegs ein neues Phänomen. Vor einigen Jahren hat es am Hermann-Ehlers-Platz vermehrt Beschwerden über Jugendliche gegeben. Junge Erwachsene sollen Alkohol besorgt und ihn an Minderjährige weitergegeben haben. „Auch damals haben wir auf diese Situation reagiert und die Kooperation zwischen den Sozialarbeitern der freien Träger, den zuständigen Stellen des Bezirksamtes und der Polizei verbessert“, sagt Cerstin Richter-Kotowski.

Daniel Seeger, Bild: CDZ SZ