Urban Art Museum – Farbklecks im Kiez

Kunst: Mit ausgeklügeltem Raumkonzept wollen die Architekten das Flair der Straße einfangen.

Bunte wechselnde Bilder auf Fassaden sind in der Bülowstraße nicht neu. Schon in den vergangenen Jahren hat die Initiative Urban Nation viermal jährlich internationale Künstler dorthin eingeladen. Bei den festivalartigen Events durften sich die Sprayer an Fassaden und Schaufenstern frei austoben, darunter Shepard Fairey, Maya Hayuk oder The London Police. Seit 2013 haben insgesamt 219 Künstler 320 großformatige und viele kleinere Werke (Murals) geschaffen.

Neues Gesicht im Quartier

Jetzt will Urban Nation einen Schritt weiter und das Gebäude mit der Hausnummer 7 bis Mitte 2017 zum ausgewachsenen Museum umbauen – zum Urban National Museum for Urban Contemporary Art. Die Initiative ist Teil der Gewobag-Stiftung Berliner Leben, deren Vorstandsvorsitzende Hendrik Jellema lobt das berlinweite Engagement zur Belebung von Wohnquartieren. Vor allem der Schöneberger Bülowkiez sei für seine Kunstaktionen über Stadtgrenzen hinaus bekannt. „Zukünftig wird das Museum dem Quartier ein neues Gesicht geben“, sagt Jellema.Die Pläne für das neue Museum sind architektonisch anspruchsvoll. Das alte Gebäude aus der Gründerzeit soll das Flair der Straße einfangen. Durch die austauschbaren Module an der Fassade kann das Museum die Werke regelmäßig wechseln und sammeln. Durch den Tausch der Module wird die Fassade immer wieder in neuem Kleid das gesamte Bild der Straße verändern – das Haus wird so selbst zum Kunstwerk.

Auch im Inneren trägt das Architekturbüro Graft der Kunst der Straße Rechnung. Decken werden entfernt, um der Größe mancher Graffitis von bis zu sieben Metern gerecht zu werden. Eine Trasse soll durch die zweigeschossige Ausstellung führen. „Eine Galerie, die sich wie ein Höhenweg durch das Museum zieht, ermöglicht es, die Kunstwerke sowohl aus der Ferne als auch von ganz nah zu betrachten“, erklärt Thomas Willemeit vom Architekturbüro Graft. Die LOTTO-Stiftung Berlin ermöglicht den Umbau maßgeblich durch einen Zuschuss von 1 Million Euro sowie einem Darlehen von 400.000 Euro. In dem neuen Museum sollen die bei den zurückliegenden Sprayer-Events entstandenen Werke den Grundstock in der Sammlung bilden. Weiteres Kernstück wird das Martha-Cooper-Archiv: Die Fotojournalistin hat als eine der ersten mit Bildern die Entstehung der Urban Art seit Ende der 1970er Jahre dokumentiert. Sie überlässt dem Museum einen bedeutenden Teil ihrer Sammlung. Urban Nation-Initiatorin Yasha Young wird das Museum als Direktorin künftig leiten.

Daniel Seeger, Bild: Urban Nation