Zeit-Geiz ist geil?…

Hexenberg-Theater: Viel Applaus für Molière.

Noch bis 30. Juni zeigt das Hexenberg-Theater seine vielumjubelte Version des Molière-Stückes „Der Geizige“. Nach Kleists „Der zerbrochene Krug“ zündete das Ensemble um Regisseur Jan Zimmermann damit bereits sein zweites Frühlings-Bühnen-Feuerwerk. Hier wird Volkstheater im besten Sinne zelebriert, was vom Publikum ausgiebig honoriert wird. Vor allem Andreas Köhler als titelgebende Figur chargiert gekonnt zwischen krachender Klamotte und ernsthaftem tragikomischem Spiel. Eine Meisterleistung!

Zum Stück: Geiz ist nicht geil, das weiß nun jeder. Und ist man selber geizig, ist das nur kluge Sparsamkeit zur rechten Zeit. Man weiß ja nie… Sicher ist sicher. Doch wo fängt Geiz an und hört Sicherheit auf? Bei der Uraufführung von Molières Komödie im Jahr 1668 konnte keiner lachen. War doch die einstige Todsünde „der Geiz“ zur Tugend einer kapitalistischen Welt geworden. Dass derlei maßlose Pfennigfuchserei seine Familie seelisch und moralisch verkrüppelte, wurde als Kollateralschaden toleriert. Es ist die unbändige Angst vor dem sozialen Abstieg und der Wunsch nach Sicherheit, welche den „Titelhelden“ Harpagon mit Misstrauen, Neurosen und Paranoia erfüllt. Selbst für das Liebesglück seiner Kinder ist in seiner Welt kein Platz, denn auch die Liebe muss sich rentieren. Egoistische Manipulationen entspinnen ein undurchdringliches Netz aus Abhängigkeiten und doch bekommen alle ihr Happy-End. Mehr Informationen zu Tickets und Zeiten hier.

mw / Bild: KIKE Photography