Fledermäuse bleiben

Beschluss: Gute Entscheidung in Sachen Einheitsdenkmal.

Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat unlängst beschlossen, die Planungen für das Einheits- und Freiheitsdenkmal auf der Berliner Schlossfreiheit zu stoppen. Als Grund wurde der massive Kostenanstieg genannt.

Prächtige Mosaiken

Dietmar Arnold, Stadtplaner und Vorsitzender des Vereins Berliner Unterwelten e.V., begrüßt die Entscheidung: „Für den Bau wären die historischen Gewölbe unter dem Fundamentsockel weitgehend zerstört worden. Als Lobby der unterirdischen Stadtgeschichte freuen wir uns, dass nun die alte kaiserliche Schlossfreiheit mit ihren geschichtsträchtigen Mosaiken als wichtiger historischer Ort für Berlin erhalten und zu einem Schaufenster der Vergangenheit werden kann.“ Geplant war, das Denkmal auf dem Sockel des 1950 abgetragenen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals zu errichten. Doch während der Arbeiten werden in den Hohlräumen des historischen Fundaments nicht nur prächtige Bodenmosaiken entdeckt, sondern auch Schwärme artgeschützter Fledermäuse, denen die Gewölbe als Rückzugsort und Nistplatz dienen. Im Sommer bieten diese Quartier für Wasserfledermäuse, im Winter beherbergt der Denkmalsockel sogar zwei Fledermausarten.

Neue Auflagen

Für Arnold ist der Planungsstopp nicht nur aus Geschichtsbewusstsein und im Sinne einer durchdachten Stadtplanung zu befürworten, sondern auch aus Verantwortung für Umwelt und Natur: „Der Fledermausbestand ist bei der Bauplanung für das Denkmal nicht angemessen berücksichtigt worden“. Der Obersten Naturschutzbehörde liegt kein Konzept zum Schutz der Tiere vor, womit ein Baubeginn gar nicht möglich gewesen wäre. Aus beiden Funden resultierten neue Auflagen des Landes Berlin zum Denkmal- und Artenschutz, welche die Baukosten auf deutlich über zehn Millionen Euro steigen ließen.

Gute Zusammenarbeit

Der Berliner Unterwelten e.V. arbeitet bei vielen seiner unter- und überirdischen Anlagen mit Fledermausexperten und Naturschützern wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) zusammen. Alle Partner besitzen Erfahrung darin, wie es gelingen kann, Stadtentwicklung und Naturschutz in Einklang zu bringen.

Manfred Wolf / Bild: Holger Happel