So planen die Berliner das Tempelhofer Feld

Stadtentwicklung: Bürger machen Vorschläge, der Senat entscheidet.

Der Bürgerplan zum Tempelhofer Feld steht: Zwei Jahre lang wurden Vorschläge und Ideen der Berliner in einem komplexen Beteiligungsprozess gesammelt und jetzt dem Senat übergeben. Der Entwicklungs- und Pflegeplan für die 300 Hektar große Fläche sieht eine behutsame Bebauung am Rand vor. An beiden Seiten des Feldes, an der Oderstraße und am Tempelhofer Damm, ist Gastronomie vorgesehen.

Weite und Offenheit

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Vorrangig sollen Sitzbänke und Toiletten aufgestellt, neue Spiel- und Sportflächen erschlossen werden. Auch der Ausbau der Serviceangebote ist geplant: zum Beispiel Verleihstationen für Sportgeräte und W-Lan-Hotspots. Zehn Leitlinien bestimmen auch in Zukunft den Charakter der beliebtesten Grünanlage Berlins. Dabei soll auf jeden Fall die Weite und Offenheit der riesigen Wiesenlandschaft mitten in der Stadt erhalten bleiben. Eine kommerzielle Nutzung ist nicht vorgesehen. Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek beklagt die Unverbindlichkeit des Plans. „Schon bei der Übergabe des Konzeptes hat der zuständige Staatssekretär Christian Gaebler deutlich gemacht, dass am Ende der Senat das letzte Wort hat“, sagt Kapek dem Berliner Abendblatt. Auch bei der Art der Flüchtlingsunterbringung habe sich der Senat über den Bürgerwillen hinweggesetzt, das entsprechende Gesetz geändert und mit der Aufstellung von Containern Fakten geschaffen. Dabei ist für Kapek die bisherige Entwicklung seit Beginn des Volksbegehrens ein gutes Beispiel für gelebte Demokratie.

Bürgerbeteiligung

„Diesen Ablauf kann ich mir so auch für andere große Stadtentwicklungsprojekte vorstellen, zum Beispiel bei der Fortsetzung des Entwicklungsprozesses in der Historischen Mitte“, sagt die Grünen-Politikerin. Der Bürgerplan entspricht in weiten Teilen den Vorstellungen von Antje Kapek. Besonders positiv findet sie zum Beispiel den Bau eines Bürgerzentrums. Wichtig sei auch die Altlastensanierung, die laut Plan an der Südseite starten soll. Bisher dürfen auf dem Tempelhofer Feld unter anderem wegen Kontaminierung des Bodens durch Kampfmittel weder Löcher gegraben noch Zelte aufgestellt werden, die mit Metallheringen im Erdreich befestigt sind. Auch mit den finanziellen Bedingungen ist die Fraktionschefin einverstanden. 2,7 Millionen Euro würde die Bewirtschaftung des Tempelhofer Feldes pro Jahr kosten – der Senat hatte laut Kapek bisher immer mindestens drei Millionen Euro im Haushalt veranschlagt. Die Senatsverwaltung prüft derzeit den Bürgerplan fürs Tempelhofer Feld. Was davon umgesetzt wird und was nicht, ließ die Verwaltung auf Nachfrage des Berliner Abendblatts offen.

Daniel Seeger