Kulturzentrum vor dem Aus

Für das Theater am Park wird ein neuer Betreiber gesucht.

Zwei Tanzschulen, eine Ballettschule und den kleinen und großen Theatersaal gibt es im Theater am Park. Zu DDR-Zeiten war das Gebäude in Biesdorf Teil des Kulturzentrums der NVA. Heute besuchen wöchentlich 600 Kinder und Jugendliche das Haus, um sich in einem der zahlreichen Kurse in Tanz, Ballett oder Schauspiel zu üben. Wenn es nach den Überlegungen des Bezirksamtes geht, könnte damit bald Schluss sein. Die Marzahn-Hellersdorfer BVV beschloß unlängst die Ausschreibung eines Interessenbekundungsverfahrens, in dem ein Betreiber mit wirtschaftlicherem Konzept gesucht wird.

Die Perspektive

Auch Kindertheater zum Mitmachen  gehört zum Angebot im Theater am Park.

Auch Kindertheater zum Mitmachen gehört zum Angebot im Theater am Park.

„Die suchen den reichen Onkel, der das Haus hier selbst finanziert“, erläutert Helmut Kontauts, Vorstandsmitglied im TaP e.V. Findet der sich nicht, könnte der Verkauf des Hauses anstehen – allein das Grundstück wird mit einem Wert von rund 12,5 Millionen Euro taxiert. Bleibt die Immobilie hingegen im Besitz des Bezirks, müsste es nach neuesten Richtlinien einem Fachbereich zugeordnet werden – und das hätte eine Bewertung des Senats und damit verbundenen Kosten von bis zu 500.000 Euro zur Folge. „Das Grundstück könnte im Verkaufsfalle auch für einen Käufer attraktiv sein, der mit Abriss und Neubau eine ganz andere Nutzung verfolgt“, stellt Kontauts fest. Das wäre das Ende des Kulturhauses hier am Traditions-Standort. Ein Szenario, denen die Künstler am Ort mit völliger Verständnislosigkeit gegenüberstehen. „Ich bin auf Tourneen in ganz Deutschland unterwegs – da ist solch ein Haus mit den tollen Möglichkeiten im Vergleich zu fast allen Stadttheatern, in denen wir spielen, eine echte Sensation“, erläutert Maximilian Nowka, der mit einem Musical-Ensemble die Rolle des Wilhelm Vogt für den Hauptmann von Köpenick auf der riesigen Bühne des großen Saales aktuell probt.

Großes Manko

Der Saal selbst mit seinen 300 Plätzen ist für öffentliche Aufführungen seit dem Jahr 2003 gesperrt. Grund sind die Bühnenausmaße, die intensivere Brandschutzmaßnahmen erfordern. „Für 50.000 Euro könnten wir in Eigenleistung den Saal adäquat umbauen – aber der Bezirk kann uns dafür das Geld aus seinem entsprechenden Senatstopf nicht geben. Die Arbeiten müssten öffentlich ausgeschrieben werden – aber allein für die Erstellung der notwendigen Bauunterlagen würde dieser Betrag aufgebraucht werden“, so Kontaut, der weiß, dass der große Saal dem Haus viele Einnahmen einspielen könnte. „Über 500.000 Euro haben wir in den vergangenen 25 Jahren in den Um- und Ausbau des Hauses gesteckt – unsere Eigenleistungen hatten noch einmal den gleichen Wert“, erklärt er. Der Verein hat seit dem Jahr 2011 immer nur jährliche Nutzungsverträge mit dem Bezirk unterzeichnen können. „Seit fünf Jahren ist das ein Ritt auf der Klinge, der uns noch nicht einmal mittelfristige Planungen ermöglicht und die rund 40 Mitarbeiter des Vereins und der Tanz- und Ballettschulen im Ungewissen lässt“, schildert Kontauts die prekäre Situation des Vereins.

Stefan Bartylla / Bild 1: TaP e. V. / Bild 2: Stefan Bartyllla