Offene Fragen zum Festival im Park

Zaunverlauf und Sicherheitskonzept sind ungeklärt / Zweifel an Öko-Konzept.

45.000 Rockfans erobern den Treptower Park: So sehen die Planungen der Veranstalter des Lollapalooza-Festivals aus. Für viele steht bereits fest, dass das Mega-Event in dem Gartendenkmal steigt. Dem tritt der Bezirk nun entgegen.

Aktuelle Schlagzeilen legen nahe, die umstrittene Durchführung des Rockfestivals „Lollapalooza“ im Treptower Park sei längst beschlossene Sache. Das sieht man im Bezirksamt Treptow-Köpenick anders. „Die Prüfung gemäß Grünanlagengesetz wird voraussichtlich in rund drei Wochen abgeschlossen sein“, sagt Ingrid Lehmann, die Leiterin des Grünflächenamtes im Bezirk. „Einige Fragen sind noch offen, etwa der Zaunverlauf zum Schutz der Vegetation und der zeitliche Ablauf des Auf- und Abbaus.“ Das sei aber nur ein kleiner Ausschnitt der noch ausstehenden Genehmigungen: „Mit der Polizei muss noch das Sicherheitskonzept abgestimmt werden und die Verkehrslenkung Berlin muss die Sperrung der Puschkinallee absegnen.“ Außerdem habe die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über die Lärmschutzauflagen zu befinden.

Viele Auflagen

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Erwartet werden Bands wie Radiohead und Kings Of Leon. Und rund 45.000 Fans pro Tag.

Ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung fordert zahlreiche Auflagen für das Festival. Unter anderem müsse die Würde der Kriegsgräberstätte Sowjetisches Ehrenmal gewahrt werden. Wie jetzt bekannt wurde, soll die Gedenkstätte während der Veranstaltung eingezäunt werden. Außerdem, so der Beschluss, müsse die Erreichbarkeit der Archenhold-Sternwarte, der Insel der Jugend, des Lokals Zenner, des Treptower Hafens wie auch des Figurentheaters Grashüpfer gewährleistet bleiben. Für die ersten drei Standorte gibt Lehmann Entwarnung, weil sie ohnehin außerhalb des Open-air-Geländes liegen. Der Hafen könne vom S-Bahnhof aus erreicht werden. Komplizierter wird es offenbar beim „Grashüpfer“. „Veranstalter und Betreiber führen Gespräche, ob und wie das Theater ins Lollapalooza mit einbezogen werden könnte“, so Lehmann. Auch die Linke-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat noch Klärungsbedarf. Marina Borkenhagen, Sprecherin für Umwelt- und Naturschutz und Grünflächen: „Die Aussagen des Veranstalters, besonders nachhaltig und ökologisch zu sein, werden wir einer kritischen Überprüfung unterziehen. Wir erwarten, dass Ökologie nicht nur auf dem Papier, sondern auch bei der Umsetzung stattfindet. Dabei ist Müllvermeidung beim Verkauf von Getränken und Speisen genauso wichtig wie die Benutzung umweltfreundlicher Varianten der althergebrachten Chemietoiletten.“

Einer Online-Petition gegen Lollapalooza haben sich mehr als 5.300 Menschen angeschlossen. Die Initiatoren fordern, das Festival auf den Zentralen Festplatz in Tegel oder auf eine andere Fläche zu verlegen. Sie befürchten, die Großveranstaltung könne Pflanzen und Tieren schaden. Ähnlich argumentieren Vertreter des Nabu und der Grünen. Ursprünglich sollte das Festival vom 10. bis zum 11. September auf dem Tempelhofer Feld stattfinden. Wegen der Belegung des Flughafengebäudes mit Flüchtlingen wurde der Plan verworfen. Als Ersatzstandort wählten die Veranstalter den Treptower Park.

Nils Michaelis / Bild: Lollapalooza /Bild: imago/Agencia EFE