Klinikum Neukölln soll größer und besser werden

Das Klinikum Neukölln wird in den nächsten Jahren für 580 Millionen Euro saniert und erweitert. Ein dicker Brocken entfällt auf die chronisch überlastete Rettungsstelle. Senat und Vivantes-Konzern haben jetzt
einen vorläufigen Fahrplan vorgestellt.

Anspruch und Realität klaffen beim Klinikum Neukölln schon länger auseinander. Das größte Krankenhaus des landeseigenen Konzerns Vivantes mit Berlins größter Rettungsstelle ist in die Jahre gekommen. Kürzlich machten erste Ankündigungen über die Erweiterung und Sanierung des Klinikkomplexes die Runde. Jetzt wurden weitere Details bekannt.

Mehr Personal

Die chronisch überlastete Rettungsstelle sorgt seit Jahren für Aufsehen. Geplant wurde sie für jährlich 25.000 Patienten. Tatsächlich werden rund 77.000 Menschen versorgt. Mehr Platz soll nun für Entlastung sorgen. Innerhalb eines Neubaus soll sich die Rettungsstelle über 2.400 Quadratmeter erstrecken. Derzeit sind es 1.500 Quadratmeter. Ob allein dadurch der Massenbetrieb entschärft werden kann, ist unklar. „Wir gehen schon länger davon aus, dass die Zahl der Patienten dort jährlich um drei Prozent steigt“, so der Geschäftsführende Direktor Christian Dreißigacker. „Um dem Trend zu begegnen, haben wir das Personal in den letzten Jahren stetig aufgestockt, das wird so bleiben.“

150 Millionen Euro werden für das neue Gebäude an der Ecke Kormoranweg/Rudower Straße, wo sich derzeit ein Parkplatz befindet, veranschlagt. Der Erweiterungsbau wird zudem Platz für zusätzliche 200 Betten bieten. Dafür wird ein Teil der Altbauten in das neue Haus integriert. Auf dem Dach wird ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet. Neue Stellplätze für Autos sollen in einer Tiefgarage unter dem Mutter-Kind-Zentrum oder auf einer Freifläche geschaffen werden. Die Bauvorbereitung soll bis zum kommenden Jahr abgeschlossen sein. Der Baubeginn wird für 2018 angepeilt. Daneben wird das Krankenhaus auch technisch aufgerüstet: Bis 2018 sollen dort die „Zentralsterilisation Süd“ und ein Präsenzlabor errichtet werden. Onkologie, Thoraxchirurgie und Gefäßmedizin sind einige der neuen Schwerpunkte im Krankenhausplan.

Bei laufendem Betrieb

An der Ecke Kormoranweg/Rudower Straße (rechts oben im Bild)  entsteht für 150 Millionen Euro ein Erweiterungsbau

An der Ecke Kormoranweg/Rudower Straße entsteht für 150 Millionen Euro ein Erweiterungsbau.

Für das Gesamtvorhaben des Umbaus werden 580 Millionen kalkuliert. Die Bauzeit für alle Bauabschnitte gibt der Senat mit acht bis zehn Jahren an. Nimmt man die einzelnen Planungsschritte hinzu, summiert sich der Zeitraum auf zehn bis 15 Jahre. Die Arbeiten werden bei laufendem Betrieb ausgeführt. Laut Dreißigacker sollen die Kapazitäten im OP-Bereich und an Betten nicht darunter leiden. Vielmehr dient der Neubau für die Rettungsstelle auch dazu, einen Teil der Betten aus den noch zu sanierenden Gebäudeteilen vorübergehend dort aufzunehmen. Schwerpunkt von Neubau und Sanierung werde Haus 30, das größte und  1986  fertiggestellte Bestandsgebäude, sein.

„Im Senat herrscht Einigkeit, dass Umbau und Sanierung nicht allein über die Investitionspauschale von Vivantes getragen werden können“, erklärte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Diese liegt bei 33 Millionen Euro pro Jahr. Laut Czaja müssen rund 500 Millionen in den Haushalt eingestellt werden. Das letzte Wort hätte dann das Abgeordnetenhaus. Möglicherweise muss nach den Wahlen im September neu über das Thema verhandelt werden: Dass die derzeitige Koalition aus SPD und CDU fortgesetzt werden kann, ist Umfragen zufolge unwahrscheinlich.

Nils Michaelis / Bild: Nils Michaelis / Bild: Vivantes