Alte Dame schockiert

Fussball: Erstligist reagiert sauer auf angedrohte Mietverdoppelung für das Olympiastadion.

Es ist noch gar nicht so lange her: Keine sechs Jahre. Im September 2010 verdankte Hertha BSC seine Lizenz nur dem freundlichen Entgegenkommen der Stadion-Betreibergesellschaft und des Berliner Senats. Denn „die alte Dame“ Hertha zahlte keine Miete für die damalige Zweitliga-Saison im Olympiastadion. Auch 2012 wurde Hertha die Miete komplett gestundet, weil sonst der direkte Wiederaufstieg in Gefahr geraten wäre.

Keine Erklärung

Jetzt, in sportlich wie finanziell besseren Zeiten für den Fußball-Erstligisten und wahrscheinlichen Euro-Ligisten aber will der Senat mehr Geld sehen. Ab Juli 2017, so heißt es, will die Betreibergesellschaft des landeseigenen Olympiastadions die Miete auf 7,5 Millionen Euro steigern und damit annähernd verdoppeln. Hertha war auf eine moderate Erhöhung der Miete vorbereitet, hatte aber nicht mit einer solchen Größenordnung gerechnet. Der neue Mietvertrag soll eine Laufzeit von 15 Jahren haben – auch das wertet Hertha BSC, das sich mit Blick auf ein mögliches neues, eigenes Stadion nur noch für fünf oder sechs Jahre binden will, als Affront. Dem Fachblatt „kicker“ sagte Hertha-Manager Michael Preetz: „Das, was da aufgerufen wurde, schockiert uns. Wir haben keine Erklärung dafür. Wenn sich die Gegenseite vorstellt, dass wir in diesen 15 Jahren eine signifikante, dreistellige Millionen-Summe als Miete zahlen sollen, werden wir unsere eigenen Stadion-Pläne definitiv intensivieren müssen.“

Unterm Schnitt

Andererseits liegt Herthas aktuelle Miete unter dem, was die Bundesligisten im Schnitt an Miete oder Kreditrate für ihre eigenen Stadien zahlen müssen. Eintracht Frankfurt muss pro Jahr sogar neun Millionen Euro überweisen, der
1. FC Köln zahlt knapp acht Millionen Euro. Auch im Abgeordnetenhaus gibt es Stimmen, die Hertha „nicht auf Dauer“ subventioniert sehen wollen.

Die Senatssportverwaltung kommentiert den Streit mit Verweis auf laufende Vertragsverhandlungen gegenwärtig nicht. Unserem Schwesterblatt „Berliner Zeitung“ sagte aber ein Sprecher, man sei sich sicher, dass beide Seiten wüssten, was sie aneinander haben. Zumal es Hertha BSC bis zum Sommer 2017 sicherlich nicht gelingen wird, ein neues Stadion zu bauen.

mh / Bild: imago/Camera4