Kinder zeichnen sich ein neues Leben

Selbstgemalte Comics helfen Flüchtlingskindern.

Mit eigenen Comic-Zeichnungen im Projekt Berlin mondiale lernen Flüchtlingskinder im AWO Refugium Lichtenberg ihr Leben am neuen Ort selbstbewußt und mit eigenen Mitteln zu begreifen.

770.000 Euro Fördergeld hat der Senat Mitte April freigegeben, um über den Projektfonds Kulturelle Bildung neun Projekte in sechs Berliner Bezirken zu unterstützen, die mit Aktionen aus Kunst und Kultur Kinder und Jugendliche in ihrer Kreativität fördern sollen. Besonderes Augenmerk galt dabei Projekten mit geflüchteten Menschen oder einem Bezug zu Flucht und Flüchtlingen. So auch die Comic-Workshops von Berlin Mondiale, in dem zehn bis 16-jährige Kinder aus dem AWO Refugium in der Lichtenberger Rhinstraße in jeweils 90-minütigen Wochenkursen gemeinsam mit Künstlern und Betreuern Comics zeichnen und formulieren.

Neues Umfeld

CR_LVS_LIHO_InnenDie meisten Zeichnungen der Kinder beschäftigen sich mit ihrem neuen Umfeld, das sie hier in Berlin vorfinden – der Fernsehturm auf dem Alexanderplatz, der Besuch im Tierpark, das Brandenburger Tor, aber auch die Erlebnisse beim Fußballspiel auf grüner Wiese werden gezeichnet und mit einem Sprechblasen-Text versehen. „Grundsätzlich wird in diesen Kursen deutsch gesprochen – Assistenten helfen bei Bedarf mit Übersetzungen. Das ist Teil des Konzepts“, so Melanie Waldheim, die Leiterin des Projektes. Die Themen und auch die geeigneten Techniken, zu denen die Comics gefertigt werden, geben die renommierten Künstler Sebastian Lörscher, Mina Braun und Inga Israel in den Workshops vor. „Diese Anleitung ist wichtig, weil sie Teil der Struktur ist, die wir den Kindern an die Hand geben wollen, um daraus mit eigener Kreativität etwas Eigenes zu schaffen“, so Waldheim. Ziel der Workshops sei es schließlich, die Jugendlichen dazu zu bringen, das Wortlose zu erfassen und in eine Geschichte zu überführen. Die Technik und der Malstil werden in diesem Rahmen mit den Jugendlichen weiter entwickelt. „Auch diese Kinder brauchen Struktur und Kontinuität, um eigenes Selbstbewusstsein gewinnen zu können“, so Melanie Waldheim. Am Anfang seien die Kinder mit ihren Zeichnungen bereits nach wenigen Minuten fertig gewesen – jetzt nach einigen Workshops seien die technischen Fähigkeiten, aber auch die Konzentrationsfähigkeit und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit deutlich gestiegen. „Die Kinder gewinnen durch diese Zeichnungen einfach auch mehr Vertrauen in ihre neue Umgebung“, erklärt die Projektleiterin. Die familiäre Atmosphäre im AWO Refugium in der Rhinstraße sei dafür besonders vorteilhaft. Etwa ein Drittel der 350 Bewohner hier sind unter 20 Jahre alt – das Comic-Medium sei nahezu perfekt, um Kinder und Jugendliche unkompliziert erreichen zu können. Die Ergebnisse der Workshops sollen auch beim 16. Internationalen Literaturfestival hier in Berlin vom 7. bis zum 17. September gezeigt werden. „Auch vom künstlerischen Standpunkt ist dieses Projekt eine spannende Aufgabe. Schließlich bringt diese Arbeit Institutionen miteinander ins Gespräch“, fasst Melanie Waldheim das Projekt zusammen.

Stefan Bartylla / Bild: Copyright Literaturfestival Berlin / Bild: Literaturfestival Berlin / Ali Ghandtschi