Berlin für Touris: Das müssen Sie gesehen haben

Berlin hat viele Attribute: Bundeshauptstadt, Refugium der Feierwütigen und nicht zuletzt auch Arbeitsplatz für Abertausende. Aber Berlin ist auch ein unwiderstehlicher Magnet für „die janzen Touris, die vor der Siejessäule stehn und fragen, wie se zum Brandenburjer Tor kommen“. Und weil Berlin doch recht weitläufig ist, fällt es vor allem denen schwer, sich zurecht zu finden, die sich zum ersten Mal als Touristen in die Hauptstadt begeben. All jenen soll der folgende Ratgeber ein wenig Handreichung geben und zeigen, was „man“ einfach besuchen muss, wenn der Urlaub einen nach Berlin führt. Und vielleicht finden hier auch die einen oder anderen Eingeborenen noch etwas, was sie vielleicht täglich sehen, aber noch nie wirklich aus der Nähe betrachtet haben.

Hotel

Berlin Museumsinsel with TV tower and Spree river at sunset, Germany

Foto: JFL Photography © fotolia.com

Die wichtigste Frage, die sich schon vor Reisebeginn stellt, ist die der Übernachtung. Die Qual der Wahl, denn in Berlin gibt es mehrere tausend Hotels für jede Preisklasse und in wirklich jedem Stadtteil: In der Schmöckwitzer Seenlandschaft warten kleine Pensionen auf Besucher, ebenso am Wannsee. Und je weiter es in die Stadtmitte geht, desto größer und luxuriöser werden die Häuser bis hin zum Adlon oder dem Hyatt, bei denen allerdings schon wenige Nächte ein durchschnittliches Reisebudget komplett aufzehren können, hier einmal ein kleiner Überblick über den Luxus. Wer sparen und trotzdem möglichst zentral nächtigen will, dem sei beispielsweise das Ibis in der Anhalter Straße in der Nähe des Potsdamer Platzes empfohlen.

Verkehr

Berlin hat mehrere zehntausend Straßenkilometer und eine Fläche von fast tausend Quadratkilometern – sich alle touristischen Ziele zu Fuß zu „erlaufen“ ist allein schon deshalb nicht empfehlenswert. Auch, weil viele davon verhältnismäßig weit auseinanderliegen. Da in der Hauptstadt der Verkehr allerdings auch so schon dicht genug ist, sollten das eigene Auto oder ein Mietwagen ebenso in der Garage verbleiben.

Dafür hat Berlin aber einen sehr umfangreichen öffentlichen Nahverkehr: Busse, S-Bahn oder auch die U-Bahn bringen einen an praktisch jeden Punkt der Stadt – vor allem die touristisch relevanten. Daneben bietet sich immer auch eine Bootstour auf Spree oder Havel an. Der Vorteil all dieser Verkehrsmittel: Sie sind wesentlich entspannender als das Fahren mit einem eigenen Auto.

Welcher Stadtteil für wen?

Hackeschen Hfe

Foto: Grischa Greogiew © fotolia.com

Jeder Tourist erwartet etwas anderes, wenn er nach Berlin kommt. Grundsätzlich lässt es sich aber auf wenige Faustregeln herunterbrechen:

  • In Berlin-Mitte liegen die meisten Sehenswürdigkeiten
  • Charlottenburg und Wilmersdorf sind das Zentrum von Westberlin zu Zeiten der Teilung
  • Kreuzberg ist der Stadtteil für die „jungen Wilden“ und für alle mit Hang zum Alternativen
  • Der Prenzlauer Berg und Friedrichsheim sind die Hotspots für Nachtschwärmer und Clubgänger

Wohin zuerst?

Wer sich noch gar nicht damit befasst hat, was er zuerst sehen möchte, dem sei dringend eine Stadtrundfahrt ans Herz gelegt: Durch Berlin fahren unzählige Busse, die es nach dem Hop-on/Hop-off-Prinzip ermöglichen, an jeder der rund 20 Haltestellen einzusteigen, ein paar Stationen lang die Sehenswürdigkeiten zu genießen und dann auszusteigen. Das vielleicht Beste daran: mit einem Tagesticket können Touristen dann auch in einen späteren Bus einsteigen und ihre Tour fortsetzen. Die Busse fahren im Viertelstundentakt und steuern Haltestellen zwischen Café Kranzler im Westen und dem Alexanderplatz im Osten an.

Mit in jedem Bus sitzen Guides, die nicht nur mehr über die Geschichte von Berlins Wahrzeichen erzählen, sondern auch mit kleinen Geheimtipps sowie Wissen aufwarten können, das nur langjährige Berliner anhäufen konnten.

Berlin für Touris das müssen Sie gesehen haben 4) lesniewski Fotolia

Karte: lesniewski © fotolia.com

Los geht’s

Angenommen, ein Touristenpaar hat sich tatsächlich in das genannte Ibis in der Anhalter Straße eingemietet. Dann könnte eine Tour folgendermaßen aussehen:

  • Sale stand of Soviet and DDR militaria near Checkpoint Charlie in Berlin, Germany.

    Foto: trotalo © fotolia.com

    Am östlichen Ende der Anhalter Straße in die Wilhelmstraße einbiegen und ihr nordwärts bis zur Kochstraße folgen und dort einbiegen. Sie führt unweigerlich an der nächsten Kreuzung zum weltberühmten „Checkpoint Charlie“, an dem sich während der Teilung die Trennlinie zwischen amerikanischem und sowjetischem Sektor befand. Hier wartet auch das Mauermuseum auf Besucher. In dem Haus findet sich tiefgehendes Wissen über die Teilungszeit anhand von Führungen und materiellen Zeitzeugen. Ein weiterer Vorteil: Am Checkpoint steht auch einer der Einstiege für die Stadtrundfahrt.

  • Und mit einem solchen Bus geht es weiter Richtung Berlin Mitte, genauer gesagt dem Gendarmenmarkt. Dieser gilt landläufig als schönster Platz der ganzen Stadt und wartet mit Prachtbauten wie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften auf. Wie fast alle Plätze der Stadt kann auch der Gendarmenmarkt auf große Geschichte zurückblicken: Er war unter anderem Schauplatz für den letzten DDR-Staatsakt am 2. Oktober 1990.
  • BERLIN, GERMANY - MARCH 22: Berlin view from top of the TV Tower on March 22, 2015

    Foto: Ewais © fotolia.com

    Nun führt die Route weit nach Nordosten, überquert die Spree und führt die Stadtgäste zum Alexanderplatz. Von dort aus können Touristen bequem zu Fuß den alles überragenden Fernsehturm erreichen. Noch zu DDR-Zeiten errichtet, gehört er zu den zehn beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Republik. In seiner Kuppel auf 200 Metern Höhe wartet eine geschlossene Aussichtsplattform, hier ein virtueller Rundgang. Ein Stockwerk darüber auch ein sich um die eigene Achse drehendes Restaurant. An klaren Tagen führt hier der Blick weit über Berlins Grenzen hinaus und erlaubt grandiose Fotos. Achtung: Weil nur ein Aufzug hinaufführt, kann sich an freien Tagen die Wartezeit stark dehnen. Ein Tipp: Wer schon am Alexanderplatz ist, sollte mit seinem Schatz ein paar Meter der Karl-Liebknecht-Straße nach Nordosten folgen und in die Hirtenstraße einbiegen. Dort wartet nämlich mit „The Grand“ ein wunderschön dem „alten Berlin“ der Gründerzeit nachempfundenes Restaurant. Sein besonderer Charme hat dem “The Grand” einen Platz auf der Momondo-Topliste der besten Restaurants für Paare beschert.

  • Auf dem Weg zurück nach Westen lohnt sich ein Ausstieg bei der russischen Botschaft. Nicht nur, weil diese zur Gänze auf einer Schicht Erde aus Russland erbaut wurde, die dafür extra angeliefert wurde. Sondern vor allem, weil in unmittelbarer Nachbarschaft das Brandenburger Tor, sowie das Reichstagsgebäude warten, von dessen Kuppel aus nicht nur dem Bundestag gelauscht, sondern auch die Umgebung bestaunt werden kann.
  • Kaiser Wilhelm Memorial Church in Berlin, Germany.

    Foto: Santi Rodriguez © fotolia.com

    Wer jetzt noch nicht genug für einen Tag gesehen hat, kann durch den Tiergarten weiter nach Westen zum Schloss Bellevue fahren, dem Sitz des Bundespräsidenten. Gleichsam führt diese Route auch zwangsläufig auf den „Großen Stern“ und die in seiner Mitte stehende Siegessäule. Die darauf stehende Figur der Siegesgöttin Viktoria hat übrigens Schuhgröße 92.

  • Weiter nach Südwesten geht es durch den Zoologischen Garten und von da aus auf den Kurfürstendamm – der berühmte „Ku‘ Damm“. Und in dessen Nähe steht die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Sie geriet Ende November 1943 durch einen Bombenangriff in Brand und wurde nach dem Krieg in diesem Zustand konserviert, um als Mahnmal gegen Krieg und Diktatur zu dienen.
  • Von dort aus könnten Touristen nun wieder in den Rundfahrt-Bus einsteigen und sich bis zu dessen nächster Haltestelle, dem Potsdamer Platz fahren lassen – der Standort der Berliner Philharmonie und des Sony-Centers, dessen äußere Form dem japanischen Berg Fuji nachempfunden ist und das abends spektakulär beleuchtet wird.
  • View of Potsdamer platz - financial district of Berlin, Germany

    Foto: joyt © fotolia.com

    Hinter dem Bahnhof Potsdamer Platz beginnt die Stresemannstraße. Wer ihr südwärts folgt, gelangt an die Einmündung der Niederkirchnerstraße. Dort befindet sich die Topographie des Terrors. Das Museum bringt Besuchern mit diversen Ausstellungen das Grauen des Nationalsozialistischen Wahns in bedrückender Weise näher – sollte aber bei keinem Berlinbesuch fehlen.

  • Wer dann so viel Berlin auf einen Schlag getankt hat, muss nur noch eine Parallelstraße weiter südlich gehen, um wieder vor seinem Hotel zu stehen.

Natürlich kann eine solche Tour zwangsläufig immer nur einen Bruchteil dessen darstellen, was Berlin aus Touristensicht tatsächlich zu bieten hat. Aber diese Stationen sind die primären „Must sees“, an denen eigentlich kein Erstbesucher der Stadt vorbeikommt. Wer möchte, kann auch Einzelaspekte in geführten Touren erleben, etwa der durch das Regierungsviertel, die sich nur mit dem „politischen Berlin“ beschäftigt.

Do’s und Dont’s

Berlin ist ein Kosmos für sich – nicht nur weil es eine von Europas größten Städten ist. Einige Verhaltensregeln für Touristen (und auch viele zugezogene Einheimische)

Do:

  • Sich auf das Berlinerische einlassen – der Dialekt klingt zwar für fremde Ohren oft brutal, hat aber einen eigenen Charme.
  • Brunchen gehen: Berlin ist nicht nur Bundes- sondern auch Hauptstadt der deutschen Brunchkultur. Fast jedes Café bietet diesen Service – oft auch mit Live-Musik und anderen Attraktionen.
  • Touristenpfade verlassen: Berlin hat viel Spannendes zu bieten, auch fernab von Alexanderplatz und Siegessäule. Wer sich darauf einlässt, lernt eine ganz andere Stadt kennen.
Remains of the Berlin Wall preserved along Bernauer Strasse at sunset

gekaskr © fotolia.com

Don’t:

  • Lautstark auf Berlin schimpfen: Klar, Berlin hat auch hässliche Seiten (wie fast jede Stadt) und die Einheimischen haben nicht gerade den Ruf als freundlichste Städter Deutschlands. Aber die Berliner kennen diese Schwächen selbst und brauchen keine Touristen, die ihnen das sagen.
  • Den Straßenhändlern glauben: So viele „total echte“ Stücke der Mauer, wie sie bereits an Touristen verkauft wurden, könnten zusammengelegt nicht nur Westberlin umschließen, sondern wohl das ganze Land Brandenburg.
  • Zu wenig Zeit einplanen: Berlin ist ein Touristen-Hotspot und dementsprechend lange Wartezeiten gibt es vor den typischen Touristenmagneten.

Fazit

Berlin ist mehr als eine Großstadt – es ist ein Lebensgefühl. Und das in einer Metropole, die wohl wie kaum eine zweite in den vergangenen 100 Jahren die krassesten Extreme und Veränderungen mitmachen musste. Wer das versteht und Berlin nicht als museumsgleichen Glaskasten ansieht, der nur auf ihn allein gewartet hat, der wird sich sicher in das raue aber herzliche Zentrum Deutschlands verlieben.

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