Vorfall im Versuchsreaktor

Technik: Bereits im Dezember gab es ein „meldepflichtiges Ereignis“ am Wannsee-Reaktor – Betreiber und Senatsverwaltung sehen aber „keine Sicherheitsrelevanz“.

Mit einiger Verzögerung wurde nun bekannt, dass es bereits im Dezember ein „meldepflichtiges Ereignis“ im Berliner Experimentier-Reaktor (BER II) in Wannsee gab. Der Schaden ist mittlerweile behoben – eine Gefahr habe nie bestanden, heißt es. „Am 13. Dezember 2015 gab es eine automatische Reaktor-Schnellabschaltung, ausgelöst durch einen fehlerhaften Sensor in einem Messinstrument. Dies hat zu keinem Zeitpunkt zu einer Gefährdungssituation geführt, sondern ist eine Folge der sensiblen Einstellung des Überwachungssystems. Ein Messgerät hat eine Schieflast angezeigt, die aber gar nicht vorlag“, sagt Ina Helms vom Helmholtz-Zentrum, das den Forschungsreaktor betreibt.

Automatisch abgeschaltet

CR_LVS_ST_18_ReaktorAn den vier Ecken des Reaktorkerns werde regelmäßig der Neutronenfluss gemessen, um sicherzustellen, dass die Leistung des Reaktors gleichmäßig über alle Brennelemente verteilt ist. „Das bedeutet, dass alle vier Kammern zur Messung des Neutronenflusses etwa den gleichen Wert anzeigen müssen. Wenn ein Sensor ausfällt und eine der vier Messkammern dadurch einen Nullwert anzeigt, erscheint dies für das Reaktorschutzsystem als Abweichung vom Mittelwert und der Reaktor wird automatisch abgeschaltet“, erläutert Helms den Sachverhalt weiter. Ein solcher Fall trete alle zwei bis drei Jahre auf und sei auch dann meldepflichtig, wenn er der harmlosen „Stufe 0“ zugeordnet sei. Entsprechend misst man dem Vorfall auch bei der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt „keine Sicherheitsrelevanz“ bei. Sprecher Derk Ehlert: „Aufgrund der gültigen Kriterien wurde das Ereignis gemäß dem festgelegten Verfahren fristgerecht von der Betreiberin an die Atomaufsicht gemeldet und die Information von dort an die zuständige Stelle des Bundes weitergeleitet. Beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) dauerte es dann bis ins Frühjähr, ehe der Vorfall im Monatsbericht für den Januar 2016 auftauchte. In Berlin selbst fühlte sich dagegen – wohl auch wegen der geringen Sicherheitsrelevanz – niemand für eine Veröffentlichung verantwortlich.

Fehlende Notfallpläne

Dabei ist das Thema durchaus sensibel: Nicht erst seit der BER II 2013 aus Sicherheitsgründen heruntergefahren werden musste, weil Risse in den Schweißnähten Reparaturarbeiten nötig gemacht hatten, fordern Aktivisten eine schnellere Stilllegung des Reaktors, die bisher für das Jahr 2020 geplant ist. Auch das im selben Jahr enthüllte Fehlen solider Notfallpläne auf Seiten des Landes Berlin und der Streit um eine Flugroute in der Nähe des Reaktors machen nicht nur manchem Anwohner Sorgen. Die Betreiber verweisen auf die Bedeutung für die internationale Spitzenforschung, die an dem als Neutronenquelle für unterschiedliche Fragestellungen genutzten Reaktor betrieben werde.

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