Ist dieses Denkmal bald Geschichte?

Bauen: Wo einst Berlins Befreiung begann, bröckelt jetzt das Dach.

Adolf Hitler hatte gerade seinen Geburtstag im Bunker gefeiert, als die Rote Armee Berlin erreichte und den Anfang vom Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in der Hauptstadt einleitete: Am 21. April 1945 überschritten sowjetische Soldaten die Stadtgrenze und befreiten in der Landsberger Allee 563 das erste Gebäude in der damaligen Reichshauptstadt. Seit den 1980er Jahren erinnert ein Wandbild des Künstlers Otto Schack an das geschichtsträchtige Datum, das in großen weißen Lettern von der roten Giebelwand prangt.

Mit Sorge

Mancher sieht das sanierungsbedürftige Baudenkmal allerdings in Gefahr. „Ich bin in Sorge, dass die Zukunft dieses denkmalgeschützten Hauses zumindest offen ist“, erklärt etwa die Abgeordnete Manuela Schmidt (Die Linke), die deshalb jüngst eine schriftliche Anfrage im Landesparlament stellte. Die Antworten der Staatssekretärin Regula Lüscher hätten ihr diese Sorge aber nicht nehmen können. „Es gibt an keiner Stelle ein Bekenntnis auch zur finanziellen Verantwortung für den Erhalt des Gebäudes“, meint Schmidt. Tatsächlich hatte Lüscher auf die Frage nach der Bedeutung des Gebäudes und der daraus resultierenden Verantwortung des Landes Berlin mit einem allgemeinen Bekenntnis zur „Verantwortung der Eigentümer für die Erhaltung von Denkmalen“ geantwortet. Eine mögliche Unterstützung des Bezirks Marzahn-Hellersdorf durch den Senat steht derzeit allerdings nicht zur Debatte: Bislang habe es keine Gespräche zwischen Senat und Bezirk gegeben, teilte Lüscher dazu mit.

Diese Funkstille gilt dabei aber auch hinsichtlich eines geplanten Verkaufes, der gerüchteweise anlässlich erwarteter Sanierungskosten von 600.000 Euro anstehen könnte. „Eine Veräußerung der Immobilie ist bislang nicht zwischen Senat und Bezirk erörtert worden“, so Lüscher in ihrem Antwortschreiben. Manuela Schmidt ist dennoch unzufrieden. „Gerade bei der Geschichte des Hauses sehe ich nicht allein den Bezirk in der Pflicht, sondern empfinde die langfristige Sicherung des Gebäudes als eine gesamtstädtische Aufgabe“, meint die Politikerin. Das gelte um so mehr, als dass derzeit ein bedenklicher Rechtsruck innerhalb der Gesellschaft zu verzeichnen sei.

Verfall droht

Schmidts Sorge teilt dabei auch ihr Parteifreund Wolfgang Brauer, der dem Heimatverein Marzahn-Hellersdorf vorsitzt. Das Haus sei „unbedingt erhaltenswert“ und weitere Forschungen zu seiner Geschichte wichtig. „Das gilt wie überhaupt zum Kriegsende in unserer Region. Allerdings dürften diese nur wenig grundsätzlich Neues zutage fördern“, meint Brauer, der insbesondere im Hinblick auf die notwendige Dachsanierung des Gebäudes Handlungsbedarf sieht. „Ich halte es für eine Unsitte und ein Zeichen verantwortungslosen Umganges mit öffentlichem Eigentum, wenn man es so lange vor sich hinrotten lässt, bis eine Sanierung finanziell kaum noch vermittelbar ist“, so Brauer weiter.

Philip Aubreville / Bild: imago/Rolf Zöllner