Wohnen in Spandaus Schmuddelhäusern

Brennpunkt: Zustände im Pillnitzer Weg werden immer schlimmer – die Hausverwaltung ist hilflos.

Zerplatzte Eier im Hausflur, Schmierereien in Fahrstühlen und auf Wänden, zerschlagene Flaschen, Kippen und Ratten auf Kinderspielplätzen, Spermüll und Kühlschränke im Garten, kaputte Autos auf Grünflächen, Lebensmittel und Windeln, die aus dem Fenster fliegen – die Schmuddel-Liste im Pillnitzer Weg in Staaken ist lang. Mieter schlagen Alarm. Wie das Monitoring Soziale Stadtentwicklung des Senats ergeben hat, ist der Bereich Pillnitzer Weg gegenüber 2013 noch einmal abgestürzt und trägt als einziger Planungsraum des Bezirks die niedrigste Bewertungsstufe. Kriterien waren Hartz IV-Bezug, Arbeitslosigkeit und Kinderarmut.

Zunehmend verwahrlost

„Es war mal schön hier“, erinnert sich die Mieterin Sieghild Brune. „Heute kämpfen wir gegen Schmutz, Müll und Dreck.“ Sie hat ein Treffen mit Mietern, der Hausverwaltung Hachmann, zwei Vertretern der Eigentümergesellschaft Adler Real Estate AG, den Bezirksstadträten Bewig und Machulik und der SPD-Abgeordneten Burgunde Grosse organisiert. „Ich freue mich, dass das jetzt stattgefunden hat“, sagt die Mieterin, „oft werden Schreiben der Bewohner erst gar nicht beantwortet.“ Jetzt konnten sich die Mieter endlich Luft machen – und ihre Sorgen sind immens: „Der Dreck und Gestank nach Kot, Urin und Erbrochenem in einem der Aufzüge hat dazu geführt, dass sich die DHL weigert, Päckchen zuzustellen“, berichtet einer der Mieter. Die Platten auf den Gehwegen lägen schief – eine Seniorin sei bereits gestürzt und musste ins Krankenhaus. Auf den Gehwegen der Anlage werde mit Autos gefahren, kaputte Wagen einfach irgendwo abgestellt. Der Grund: fehlende Pfosten. „Entweder sie sind verschwunden oder werden rausgezogen und überfahren“, bestätigt eine Mieterin. Ein großes Ärgernis, das auch der Hausverwaltung bekannt ist. Die könne aber leider die Wagen nicht abschleppen lassen, erwiderte Antje Kallus von der Hausverwaltung. „Wir dürfen die Autos natürlich auch nicht aufbrechen, um festzustellen, wem sie gehören. Und die Nummernschilder sind so alt oder abgeschraubt, dass eine Identifizierung auch nicht mehr möglich ist.“ Wenn sich allerdings Kinder daran verletzen, könne die Polizei einschreiten, sagte Bezirksstadtrat Machulik.

Verursacher gesucht

Ein großes Thema ist der Müll: Viele Mieter stellen ihren Müll neben den Eimern ab – falls er überhaupt dort landet. Ständig stehen die Kellertüren auf, Scheiben sind zerbrochen, Zündeln im Keller an der Tagesordnung. „Wir kommen kaum gegen den Müll an“, verteidigt sich die Hausverwaltung. „Wenn morgens sechs Kühlschränke abtransportiert werden, stehen mittags neue da. Wenn der Maler morgens Schmierereien übermalt, sind mittags neue da – und so geht das weiter.“ Frau Kallus appelliert an die Mieter: „Wir brauchen die Namen der Verursacher, erst dann können wir mit Abmahnungen und Kündigungen reagieren.“ Kameras oder Attrappen zu installieren, sei verboten. Der Eigentümer, der noch im letzten September ein Gespräch mit den Mietern abgelehnt hatte, schickte jetzt zwei Vertreter, die allerdings auch nur um Verständnis dafür warben, dass der Eigentümer erst nach und nach alle Missstände beseitigen könne, weil man ja erst 2013 die Anlage übernommen hätte, außerdem müsse das Unternehmen ja auch wirtschaftlich denken. Ein konkretes Ergebnis hat das Treffen wenigstens gebracht: Es soll ein Mieterrat gegründet werden, der sich regelmäßig trifft, um die Angelegenheiten voran zu bringen.

Anke Walter / Bild: Anne Langert