Hinter dem Mond

Kommentar von Nils Michaelis.

Lügenpresse und Meinungsdiktatur: Diese Schlagworte nehmen die Rechtspopulisten der AfD und sogenannte besorgte Bürger gerne in den Mund. Sie nutzen jede Gelegenheit, um ihre verquere Weltsicht herauszuposaunen. Ein lächerlicher Vorfall im Rathaus Köpenick kommt ihnen gerade recht, um vor einer falschen Toleranz gegenüber Muslimen in Deutschland zu warnen. Der Bezirk lässt zwei Aktaufnahmen aus einer Ausstellung im Rathaus entfernen und demnächst muss Mutti den Schleier nehmen, wird Dieben die Hand abgehackt. So lassen sich die Reaktionen im Internet zusammenfassen. Die Entscheider in der Verwaltung mögen hasenfüßig gehandelt haben – der nackte Hermes im Roten Rathaus stört offenbar niemanden. Doch der Untergang des Abendlandes steht nicht bevor. Gerade muslimische Mitbürger haben sich über die merkwürdige Auffassung von Kunstfreiheit im Bezirksamt mokiert. „Muslime sind mit Nacktheit im öffentlichen Raum vertraut und leben nicht hinterm Mond“, sagt Tugba Tanyilmaz vom Migrationsrat Berlin-Brandenburg. Die Hetzer im Netz hingegen schon.